Erich Kästner - Schule
Baunatal

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Besinnliches
Gedanken zu einem Text von Elie Wiesel aus dem Buch "Gezeiten des Schweigens". Elie Wiesel beschreibt dabei den Zeugen, der die Deportation gleichmütig, ohne Gefühlsregungen beobachtet. Das Gesicht des Zeugen kann der Auschwitz-überlebende nicht vergessen.

Das folgende Gespräch ist ein Teil des Gottesdienstes zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Anspiel entstand im Fach "Katholische Religion" in der Auseinandersetzung mit dem Text von Wiesel.

Plakat: Der Zeuge - Fragen und Antworten
Fragender 1 : Hey, du bist es doch, du warst doch der, der am Fenster gestanden hat.
Du bist der Zeuge!!
Zeuge : Ich?
Fragender 2 : Ja, du!! Ich weiß, dass du es warst, du brauchst es nicht zu leugnen.
Fragender 3 : Ja, du bist einfach nur da gestanden, am Fenster, du hast zugeschaut, wie die Juden abtransportiert wurden.
Fragender 1 : Warum hast du nur zu geschaut?
Warum hast du nicht protestiert oder eingegriffen?
Zeuge Ich hatte Angst und wollte nicht sterben.
Fragender 2 : Aber du hattest so ein kaltes Gesicht. Warum??
Hast du dich in die Juden, die verhaftet wurden, nicht hineinversetzen können?
Zeuge : Ich war einfach nur fassungslos.
Fragender 3 : Fassungslos? - Du hättest doch helfen können!
Zeuge Helfen?
Ich musste an mich selber denken, an meine Gesundheit und mein Leben.
Fragender 1 : Hast du überhaupt etwas gefühlt?
Zeuge : Ja, natürlich, ich konnte mich einfach nicht bewegen.
Ich war nur fassungslos.
Fragender 2 : Was für eine Meinung hattest du überhaupt.
Warst du für oder gegen die Nazis?
Zeuge : Schweigt und macht ein Gesicht "Ich weiß nicht"
Plakat: Der Beobachter
Beobachter : Der Zeuge,
regungslos, kühl, unpersönlich, ein ausdrucksloses Gesicht.
Er äußert sich nicht.
Er ist gleichgültig.
Er handelt, als seien sie nicht da, die Opfer.
Plakat: Und wir?
Sprecher 1 : Und wir??
Sprecher 2 : Was hätte ich gemacht, wenn ich das gesehen hätte?
Wie hätte ich reagiert?
Sprecher 3 : Hätte mich das Ereignis berührt?
Sprecher 4 : Oder wäre ich auch so kalt und ohne Emotionen gewesen?
Sprecher 1 : Hätte ich mich getraut, etwas gegen die Nazis zu sagen?
Sprecher 2 : Hätte ich gegen das Unrecht protestiert?
Sprecher 3 : Also, ich hätte nicht protestiert. Meine Angst wäre viel zu groß gewesen.
Sprecher 4 : Hätte ich wirklich eingegriffen und dies vielleicht mit dem Leben bezahlt?
Sprecher 1 : Warum habe ich eigentlich keinen Mumm einzugreifen?
Sprecher 2 : Warum bin ich Zeuge? Ein Mittelding, weder Henker noch Opfer?
Sprecher 3 : Warum mache ich mir so wenig Sorgen um das jüdische Volk?
Sprecher 4 : Warum lasse ich das Leid der Menschen nicht an mich herankommen?
Sprecher 1 : Warum denke ich immer wieder: das Gewitter wird sich schon verziehen?
Sprecher 2 : Warum handle ich nicht?
Plakat: Der Bobachter
Beobachter : Zeugen gab es viele.
Der Zeuge steht am Rande. Er tut nichts.
Auch von uns wären die meisten Zeugen geblieben.
Plakat: Und heute?
Schüler 1 : Und wie ist es bei uns heute?
Schüler 2 : Auch wir schließen uns oft der Mehrheit an.
Schüler 3 : Wir halten den Mund, wenn andere gemobbt oder ausgeschlossen werden.
Schüler 4 : Engagieren wir uns für Recht und Gerechtigkeit?
Schüler 1 : Suchen wir Kontakt zu Menschen, die uns fremd sind, die einen anderen Glauben haben oder aus einer anderen Kultur stammen?
Schüler 2 : Denken wir auch oft: was geht uns das an? Das Gewitter wird sich schon verziehen?
Schüler 3 : Sind auch wir gleichgültig, nur auf unser eigenes Wohl bedacht?
Schüler 4 : Sind auch wir oft Zeugen?
Plakat: Der Bobachter
Beobachter : Der jüdische Schriftsteller Elie Wiesel hat einmal gesagt:
Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist der Kampf gegen die Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Glauben ist nicht überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, sondern Gleichgültigkeit.
Plakat: Gedanken eines Schülers
Schüler 5 : Ich möchte nicht gleichgültig sein.
Ich wäre auch damals nicht ein kalter Zeuge gewesen.
Ich wäre sehr traurig gewesen. Das Leid der Juden hätte mich bewegt.
Aber die Angst hätte mich gelähmt und deshalb hätte ich mich wahrscheinlich nicht eingemischt.
Wir wollen uns heute an diese schlimme Zeit erinnern, damit wir nicht gleichgültig werden jedem Unrecht gegenüber, das in der Welt geschieht.
Wir erinnern uns, um die Menschen, denen Unrecht geschehen ist, nicht zu vergessen. Denn Unrecht darf niemals vergessen werden.
Wir erinnern uns, um nicht gleichgültig zu werden.
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