Erich Kästner - Schule
Baunatal

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Aktivitäten im Schuljahr:
2003/2004
2004/2005





2003/2004


"Wenn wir uns nicht an die Unmenschlichkeit erinnern, werden wir anfällig für ein Ausbrechen derselben Krankheit."
(Richard von Weizsäcker)
Unter dieses Motto hatte Lehrerin Ursula Landrebe den ersten Tag in Buchenwald gestellt.
Mit großer Nachdenklichkeit und innerer Betroffenheit verbrachten 23 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 ein ganzes Wochenende in der Jugendbegegnungsstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers bei Weimar. Sie hatten sich freiwillig für das "Buchenwald-Projekt" entschieden - zusätzlich zum regulären Unterricht.
Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk/Baunatal durchgeführt und begleitet von Manuela Döring (Jugendbildungswerk), Marianne Hartung (Schulseelsorge) und Ursula Landrebe (Klassenlehrerin der 10 b).
An mehreren Nachmittagen trafen sich die Schüler im Stadtteilzentrum oder in der Schule, um das Wochenende vorzubereiten. Gemeinsam besuchten sie die Gedenkstätte Breitenau im nahe gelegenen Guxhagen. Zusätzlich sichteten einige Schüler gemeinsam mit Frau Döring historische Dokumente im Baunataler Stadtarchiv.
Drei Tage am Ort des Schreckens ermöglichte es ihnen, sich intensiv mit dem Leid der Lagerinsassen auseinanderzusetzen. "Ich habe Angst, dass ich es nicht aushalten kann, wenn ich so viel Leid auf einmal vor Augen habe", schrieb eine Schülerin auf einen Zettel während der Meditation zum Tagesbeginn. Dennoch wollten die Schüler sämtliche Bereiche des Lagers sehen und nicht die Augen verschließen vor dem Leid. Am beeindruckendsten waren für viele die Fotoausstellung "Schwarz auf Weiß - Die ersten Fotos aus dem befreiten Buchenwald", der Arrestzellenbau, der sogenannte "Bunker", in dem die SS Häftlinge folterte und tötete, und das Krematorium.
Neben den gemeinsamen Erkundungen unter Anleitung von Frau Pia Frohwein (Mitarbeiterin der Gedenkstätte Buchenwald) gingen die Schüler in kleinen Gruppen auf Spurensuche. Einige untersuchten im Archiv das Lebensschicksal einzelner Häftlinge, die aus dem Arbeitslager Breitenau nach Buchenwald verwiesen wurden. Andere verfolgten den Weg von Fundstücken, z.B. einer selbst gebastelten Zahnbürste und konnten so vieles über den Alltag im Lager in Erfahrung bringen.
In einer gottesdienstlichen Feier erinnerten sich die Schüler an den Lebensweg des evangelischen Pfarrers Paul Schneider, der auch der "Prediger von Buchenwald" genannt wird.
Das gemeinsame Wochenende wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Die Begleiter erlebten ein Wochenende lang hoch motivierte Schüler, die sich mit der Geschichte beschäftigen und sich dafür einsetzen wollen, dass ein solches Unrecht in Deutschland nie wieder geschieht.
Bilder und Texte, die an dem Wochenende entstanden sind, sowie Arbeitsergebnisse aus den Recherche-Gruppen vor der Fahrt können in einer kleinen Ausstellung in der oberen Pausenhalle der Schule betrachtet werden.

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2004/2005


Geschichtsprojekt "Nationalsozialismus" - Schüler auf den Spuren der Vergangenheit

Seit 2003 gibt es das Projekt "Gedenkstättenpädagogik', ein Kooperationsprojekt der Erich Kästner-Schule (EKS) und des Jugendbildungswerkes Baunatal (JBW), das Schüler der Jahrgangsstufe 10 die Möglichkeit gibt, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auch außerhalb der Schule intensiv auseinanderzusetzen.
Marianne Hartung als Ansprechpartnerin für die EKS und Manuela Döring vom JBW laden die Schüler und deren Klassenlehrer zu einem Geschichtsprojekt ein, indem sich die Jugendlichen in und außerhalb des Unterrichts an historischen Stätten in der Region und der Gedenkstätte Buchenwald mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Verfolgung von Andersdenkenden und Minderheiten beschäftigen.
Nach dem Start des Projektes im Jahr 2003 engagierten sich 2004 erneut 21 Schüler der Jahrgangsstufe 10, überwiegend aus einer Klasse, die sich mit ihrer Lehrerin Petra Fett von Oktober bis Dezember an mehreren Tagen trafen. Die Termine finden in der Regel in der Freizeit der Schüler statt.
ProjektgruppeDie Spurensuche begannen die Jugendlichen vor Ort mit der Frage nach jüdischem Leben in Baunatal. In Baunatal finden sich keine Angaben über jüdische Familien, aber in der Nachbargemeinde Schauenburg. In Schauenburg/Breitenbach besuchten die Schüler den jüdischen Friedhof, sachkundig begleitet von Heinz Vonjahr, Pfr. i. R. und Mitglied des Schauenburger Geschichtsvereins. Hier lebten viele jüdische Familien. Der jüdische Friedhof wird schon im 16. Jahrhundert erwähnt. Die Synagoge mit einem jüdischen Bad im Ortsteil Hoof wurde in der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen und die jüdischen Familien deportiert. Wenige überlebten den Holocaust.
Welche Spuren der Verfolgung von Andersdenkenden und Minderheiten finden sich noch in unserer Region? Diese Frage führte die Jugendlichen in die Gedenkstätte Breitenau bei Guxhagen. Sie war zunächst eines der ersten Konzentrationslager, in dem die politischen Gegner der Nationalsozialisten inhaftiert wurden. Später entstand dort ein Arbeitserziehungslager, in dem Zwangsarbeiter/innen, aber auch jüdische Männer und Frauen gefangen gehalten und ausgebeutet wurden. Eine Führung durch das ehemalige Gelände des Lagers und das Studieren von Gefängnisakten machte schnell den Schülern die Unmenschlichkeit des Systems deutlich. Als Haftgrund reichte schon das Stehlen einer Kartoffel. Viele der in Breitenau Inhaftierten wurden in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar gebracht.
Zum Abschluss des Projektes fuhren die Jugendlichen mit ihren Begleiterinnen für ein Wochenende in die Gedenkstätte Buchenwald. Die Jugendlichen näherten sich diesem "Ort des Schreckens" mit großem Interesse. Nach wichtigen Grundinformationen durch eine pädagogische Mitarbeiterin machten sich die jungen Leute in kleinen Gruppen auf Spurensuche. Dabei wählten sie unterschiedliche Zugänge. Einige nutzten Fundstücke wie z. B. einen selbst gebastelten Dominostein oder eine selbst hergestellte Zahnbürste für ihre Erkundungen. Wie sah der Alltag der Häftlinge in Buchenwald aus? Diese Frage bewegte die Schüler. Mit dem Fundstück in der Hand, das es zu entdecken galt, und zusätzlichen Informationen und Hinweisen, wo sie Wissenswertes über die Herstellung des Dominosteins oder die Zahnbürste in der Ausstellung der Gedenkstätte finden konnten, formte sich ein deutlicheres Bild über die Lebensumstände im Lager heraus.
Andere Jugendliche wagten sich mit Informationen In der Hand an die Erkundung von einzelnen Orten auf dem Gelände wie z. B. dem so genannten .,Kleinen Lager°, in dem die Lebensbedingungen noch härter und unmenschlicher waren als im großen Lager. Am letzten Morgen stellten sich die Jugendlichen gegenseitig ihre neu gewonnenen Erkenntnisse vor. Entstanden sind eindrucksvolle Plakate und Texte sowie Zeichnungen, in denen die Eindrücke künstlerisch festgehalten wurden. Mit großem Interesse und viel Engagement setzten sich die Schüler vor allem an diesem Wochenende von morgens bis in den späten Abend mit dem Schicksal der Menschen in Buchenwald auseinander.
Ebenso übten die Jugendlichen Formen des "Gedenkens" ein, indem sie in meditativer Form an den in Buchenwald ermordeten Pfarrer Paul Schneider erinnerten.

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