RUSSISCH an der Helmholtzschule

Auseinandersetzung mit einem Drama von Anton Tschechow anlässlich eines Besuches der Russischgruppen (Jahrgansstufen 9 bis 13) im Schauspiel Frankfurt.

Ein Bericht von Schülerinnen und Schülern aus der Jahrgangsstufe 9

Am Freitag, den 10.03.2000 um 19.30 Uhr trafen sich alle Russischkurse der HHS vor dem Schauspielhaus, um das Stück "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow zu sehen. Der Saal war gut besucht, wir warteten gespannt auf den Beginn.
Die Geschichte handelte von einer russischen Familie, deren Gut verkauft werden sollte. Die Familie hatte zuvor sehr verschwenderisch im Ausland gelebt und dadurch enorm hohe Schulden. Der Kaufmann Lopachin kaufte das Gut bei einer Versteigerung und ließ den vormals so berühmten alten Kirschgarten abholzen, um dort Sommerhäuser zu bauen. Am Tag der Versteigerung feierten alle ein letztes Fest, um die Sorgen zu verdrängen, bevor sie das Gut für immer verlassen mussten. Nur der alte Diener Firsk blieb allein zurück. Wir bedauerten ihn sehr, weil er so süß war.
Die Charaktere waren sehr extrem dargestellt. Trotz mancher langweiliger Passagen gab es immer wieder etwas zu lachen. Um 22:00 Uhr begaben wir uns dann auf den Heimweg.

Anton Tschechow
Anton Tschechow

Zum Bühnenbild:
Vom anfang bis zum Ende besteht das Bühnenbild im vorderen schmalen Bereich aus dunklen Wänden, einzelnen Tischen und Stühlen. Alles sieht ziemlich düster und einfach aus. Die hintere Wand spaltet sich ab und zu in drei Teile auf, wobei der Zuschauer durch die entstandenen Spalten einen Raum erkennt, der mit Sitzmöbeln verschiedener Stilrichtungen ausgestattet ist. Über den eleganten und zum Teil heruntergekommenen Möbeln ist ein luftiges weißes Tuch gespannt, das unregelmäßig grau getupft ist und wahrscheinlich den Kirschgarten mit blühenden Kirschbäumen darstellen soll. In der 2. Hälfte des Stückes werden die Spalten erneut sichtbar, und man kann erkennen, dass die Möbel mit weißen Tüchern bedeckt sind. Ganz am Ende sieht man durch die Spalten nur noch einen dunklen, kahlen Raum.

Meine Deutung:
Das Bühnenbild soll dem Zuschauer wahrscheinlich einen Einblick in die Lage der vormals reichen, nunmehr aber hochverschuldeten Gutsbesitzerfamilie gewähren, die sich nicht den veränderten Zeiten anpassen will oder kann. Das Tuch auf den Möbeln ist möglicherweise ein Symbol für die nach der Zwangsversteigerung des Gutes gefällten Bäume. Der völlig leere hintere Teil der Bühne am Ende des Stücks stellt meiner Ansicht nach den endgültigen Niedergang der Familie dar.


Im Kirschgarten
("Biologie 5/6 Hessen" Cornelsen 1995)

Einige Schüleräußerungen nach dem Theaterbesuch:
"Alle Schauspieler haben ihre Rollen überzeugend gespielt."
"Die Kostüme der Schauspieler entsprachen vollkommen der damaligen Zeit in Russland. Es war interessant, einen Blick in die Gesellschaft der damaligen Zeit zu werfen."
"Die Leistung des Ensembles hat viel Respekt verdient: Man konnte sich richtig mit den Charakteren auseinandersetzen und mit ihnen mitfühlen."
"Am anfang war es schwer, den Inhalt und die Rollen der Personen zu erfassen."
"Ich finde, dass die Aussprache der Schauspieler oft nicht gelungen war, da sie die russischen Namen häufig nicht korrekt aussprachen."
"Die Adoptivtochter Varja ist gezwungen, stark zu sein, sie ist dennoch schwach und ganz einfach unglücklich."
"Der alte Diener Firsk ist ein interessanter und ungewöhnlicher Charakter. Er verkörpert die Tradition. Er dient der Familie seit Jahrzehnten. Er kann die Aufhebung der Leibeigenschaft nicht akzeptieren und sich nicht damit abfinden, dass er nun "frei" ist. Deshalb dient er der Familie weiterhin so ergeben wie zuvor. Nachdem der Kirschgarten verkauft ist, wird er vergessen und allein zurückgelassen."


Diese Seite wurde gestaltet von:
Cornelia Köpnick (9d)