Erinnerungen an die Oberfeldschule
von Willi Schmidt
aus der Festschrift zum 75 jährigen Jubiläum der Robert Blum Schule 1983

Im Jahre 1910 zog ich mit meinen Eltern und Geschwistern nach Höchst am Main.
Bereits 1908 war die Oberfeldschule in Höchst erbaut. Zuerst besuchte ich die Kasinoschule in Höchst, die aber damals für die geburtenstarken Jahrgänge unzureichend war.

Ich erinnere mich heute noch sehr gut an die dortigen Raumverhältnisse.
Bei kaltem Wetter stand in jeder Klasse ein großer Ofen, der mit Holz beheizt wurde. Das Brennholz lagerte im Schulspeicherraum und wir Kinder holten es in den Klassenraum, der Pedell (Hausmeister) war uns dabei behilflich, vor Schulbeginn den Ofen anzuheizten. Auf dem Ofen stand ein Gefäß mit Wasser zum Verdampfen zur Aufbesserung der warmen, trockenen Luft. Die Höhe des Ofens betrug ca. zwei Meter.

Der Unterricht selbst war autoritär, aber human. Unser Lehrer, Herr Färber, war gerecht und oft humorvoll. In der ersten Klasse schrieben wir mit dem Griffel auf unsere Schiefertafel, später mit Tinte, Federhalter und Brausefeder ins Heft.
Der Unterricht gefiel mir sehr gut, teilweise war er spannend.
Im Lesebuch Deutsch, lernten wir nach dem ABC kleine Lesestücke z.T. in Versen.
Rechnen lag mir besonders gut, weil es der Lehrer interessant erläuterte.

Nach dem Umzug in die Oberfeldschule waren wir Kinder glücklich über die neue Lage, ringsum Felder und Wiesen. Nur der Gang zur Schule war beschwerlich, da die Eisenbahn in Höchst noch ebenerdig war. So konnte es passieren, daß die Bahnschranken der Limburger Strecke geschlossen, dann die der Wiesbadener oder Frankfurter Strecke offen und zum Schluß die Schranken der Sodener Sekundärbahn geschlossen waren.
In der Schule war Zentralheizung installiert, bei kaltem Wetter war es wohlig warm. Der Schulunterricht wurde außer durch Geographie, Naturkunde u.s.w. auch durch Gesangsübungen bereichert. Während der Lehrer den Fiedelbogen seiner Geige bestrich, durfte die Klasse einmütig Ko-lo-pho-ni-um sprechen, als Auftakt schöner deutscher Volkslieder wie; Fuchs, du hast die Gans gestohlen, Winter ade, Alle Vögel sind schon da, Dar Mai ist gekommen u.s.w.. Auch leichtes Turnen und Schlagball wurde gepflegt.
Wir lernten auch Gedichte: Wandersmann und Lerche u.v.a.
Meine jüngeren Geschwister wollten immer, dass ich mich daheim als Mini-Lehrer betätigte. Der Unterricht begann immer mit dem Vers:
Aufgepaßt und hingesetzt, Hände hübsch gefaltet.
Dass ihr mir auch alle jetzt eure Schnäbel haltet,
Liese, wenn du nicht bald schweigst, zupf ich dich am Ohrchen!
Fritz, wenn du dich vorlaut zeigst,komm ' ich mit dem Röhrchen.
So, nun nenne jeder sich gleich bei seinem Namen,
denn beginnen feierlich soll jetzt das Examen.

Zeugnis