Robert Blum (1807 - 1848)

Robert Blum
Am 10. November 1807 wurde Robert Blum in Köln in einer verarmten kleinbürgerlichen Familie geboren. Sein Vater war Fassbinder (stellte Holzfässer her) und starb früh. Die Mutter heiratete wieder. An einen geregelten Schulbesuch war nicht zu denken. Für seine Bildung musste er selbst sorgen und er tat es durch permanentes Lesen. Man sagt ihn nach, dass er sogar beim Gehen las und deshalb manchmal über die eigenen Füsse stolperte.
Er machte eine Gürtlerlehre (Bearbeiten und Verformen von Metallen zur Herstellung von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen), fand aber auch nach mehrmaligen Anläufen keine geeignete Arbeitsstelle. Um 1830 herum klappte es dann in Leipzig mit einer Anstellung als Theaterdiener. Am Theater zu arbeiten, war sein Wunschtraum. Zu dieser Zeit verfasste er auch schon zahlreiche Historiendramen, Gedichte und Zeitungsartikel.
Noch wusste er nicht, dass in Leipzig für ihn eine steile aber sehr kurze Karriere begann.
Als Schriftsteller gab er in der Zeit von 1839 bis 1842 mehrere Bände eines Theaterlexikons heraus, als kritischer Journalist attackierte er die Obrigkeit und kämpfte mit spitzer Feder für ein geeintes und freiheitliches Deutschland. Mehr und mehr entdeckte er die Leidenschaft selbst in die Politik einzusteigen.

Sein ungewöhnlich großer Bildungstrieb und seine hervorragende Rednergabe machten ihn bald zum Stadtverordneten in Leipzig. Schnell wurde er einer der führenden Männer der Liberalen und später der Führer der deutsch- katholischen Bewegung.
Seine Persönlichkeit wird folgendermaßen beschrieben:

Robert Blum ist "der erste Deutsche seit dem Bauernkriege, der sich aus der untersten Schicht nur durch persönliche Begabung emporarbeitete zu einer Führerstellung im werdenden deutschen Volksstaate. Handwerklich, bäuerlich von Gestalt, derb und behaglich, . . . geschäftlich und schriftstellerisch erfahren, vor allem aber ein begnadeter Redner, so gewann er allen Hemmungen zum Trotz, das Vertrauen, ja die Bewunderung immer wachsender Hörermassen."

Blum

In der Revolution von 1848 trat Robert Blum als einer der begabtesten und populärsten Organisatoren der bürgerlichen Demokratie hervor.

Als Ende März 1848 das Vorparlament in Frankfurt zusammenkam, um eine Verfassung für den künftigen deutschen Staat auszuarbeiten, wählten die Abgeordneten Robert Blum zu ihrem Vizepräsidenten. Am 18. Mai 1848 schließlich zog er als gewählter politischer Führer der linken Demokraten in die erste deutsche Nationalversammlung ein.

Trotz seiner sozialrevolutionären Einstellung sah er das Hauptziel seiner Politik in der Errichtung einer demokratischen Monarchie als neuer Staatsform für das kommende Deutschland.

 

Ende Oktober 1848 ging Robert Blum im Auftrage seiner Partei nach Wien, um dort den aufständischen Freiheitskämpfern eine Sympathieerklärung zu überbringen.
Bei der Verteidigung der Stadt gegen die reaktionären Truppen des Generals Windischgrätz fühlte sich Robert Blum moralisch gezwungen, als Führer einer Kompanie selbst auf den Barrikaden zu kämpfen.
Am 1. November 1848 nahm Windischgrätz mit Regimentern aus Kroatien, der Tschechei und Polen die Stadt ein und beendete damit die Wiener Revolution.
Barrikaden

Es folgte die Verhaftung Robert Blums, ein Standgericht und ungeachtet seiner Immunität als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung das Todesurteil gegen ihn.
Er wurde zunächst zum Tod durch den Strang verurteilt, später aber zum Tod durch Erschießen "begnadigt". Am 9. November wurde er in der Brigittenau in der Nähe von Wien standrechtlich erschossen.

Hinrichtung
Gemälde von Carl Constantin Heinrich Steffeck - Deutsches Historisches Museum Berlin

Diese Hinrichtung erregte im deutschen Bürgertum einen Sturm der Empörung. Sah man doch in dem Todesurteil nicht nur eine Abrechnung mit dem Barrikadenkämpfer Blum, sondern auch einen Schlag gegen die von Blum repräsentierte Deutsche Nationalversammlung. Die Hinrichtung war eine bewußt getroffene Entscheidung, um zu demonstrieren, dass die wirkliche Macht in Deutschland nicht bei den Abgeordneten der Paulskirche lag, sondern bei den Militärs der Gegenrevolution, also den Machthabern der alten Regierung.

So wurde der Tod Robert Blums zur blutigen Kampfansage des wiedererstarkten deutsch-österreichischen Kaiserstaates an die deutschen Freiheits— und Einheitsbestrebungen und trennte wie kein anderes Ereignis Österreich von den freiheitlichen Bewegungen Deutschlands.

Quellen: Veit Valentin: Geschichte der Deutschen, Berlin 1947
Otto Vossler: Die Revolution von 1848 in Deutschland, Ffm. 1948

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