Fächerübergreifendes Projekt
"Auf den Spuren von Georg Büchner"
Deutsch / Geschichte 2000/2001



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Im Rahmen unseres Projektes haben wir uns das Georg Büchner Haus in Riedstadt-Goddelau mal etwas genauer angesehen. Wir hatten uns in Gruppen aufgeteilt und uns mit den verschiedenen Räumen des Georg Büchner Hauses beschäftigt. Für die Homepage unserer Schule haben wir uns den Raum von Büchners Familie und seiner Kindheit ausgewählt.

Mit folgenden Fragen haben wir uns auseinandergesetzt:
 

1. Verfasst eine genaue und anschauliche Beschreibung der Gestaltung und Ausstattung des Ausstellungsraumes!

    Zeichnung des Raumes

    Der Raum ist sehr niedrig, klein aber sehr hell gehalten. Die Möbel sind alle schwarz. Die "Möbel" beschränken sich auf einen Tisch mit 8 Stühlen und zwei kleinen Pulten.

    An der Wand hängen eine Tafel mit den Daten über Georg Büchners Kindheit und Jugend (von 1813 - 1833 => die Tafel ist rot umrahmt), einige Zitate aus Briefen an seine Familie, ein Bild von einer stürmischen Landschaft im Ried, ein Transparentbild von dem Darmstädter Schloss und dem Marktplatz und eine Tafel auf der das Aussehen von Georg Büchner gelobt wird.

    Auf dem Tisch und den Pulten liegen kleine Hefte. In jedem Heft sind die Biografie eines Familienmitgliedes und von Minna Jaeglé (der Verlobten von Georg) sowie Informationen zu der Zeitgeschichte abgedruckt (sogar mit Bildern!). Das Heft, das auf Georgs Platz liegt, ist rot, sodass es gleich jedem Besucher ins Auge fällt.

    Auffallend ist auch, dass an den Kopfenden die Hefte der Eltern liegen und dass an deren Stühlen eine Lehne ist, im Gegensatz zu den Stühlen der Kinder.
     

2. Analysiert die Wirkung des Raumes auf den Museumsbesucher: Was vermittelt der Raum dem Betrachter?
    Auf uns wirkte der Raum sehr nackt, kahl und schlicht. Daraus schließen wir auf das sehr strenge und konservative Verhalten des Vaters. Außerdem merkt man auch, dass die Familie nicht reich war, aber auch nicht arm (z. B. an den Bildern, die an der Wand hingen).

    Die Chroniktafel und das Heft von Georg sind beide rot. Das ist wahrscheinlich so, weil Georg die bekannteste Person der Familie ist.

    Dass nur die Eltern richtige Stühle hatten (die Kinder haben nur Hocker als Sitzmöglichkeit) und zudem auch noch am Kopfende sitzen, haben wir so interpretiert, dass die Eltern Autorität vermitteln sollen und über ihren Kindern stehen.

    Die fünf Zitate, die an der Wand hängen, sind zum einen Ausschnitte aus Briefen an seine Familie, die er zu verschiedenen Zeitpunkten aus Straßburg geschrieben hat (4 Stück) und ein Zitat aus seinem "Hessischen Landboten".

    Das erste Zitat ist aus dem "Hessischen Landboten" (Juli 1834):
    "Geht einmal nach Darmstadt und seht, wie die Herren sich für euer Geld dort lustig machen." Damit will er zum Ausdruck bringen, dass sich die Fürsten auf Kosten des Volkes ein schönes Leben machen und dass es so einfach nicht weitergehen kann. Mit dem Landboten wollte er das Volk dazu bewegen, etwas gegen dieses Verhalten zu unternehmen.

    Das zweite Zitat ist aus einem Brief an seine Eltern, den er am 16 Juli 1835 in Strassburg verfasst hat:
    "Es liegt schwer auf mir, wenn ich mir Darmstadt vorstelle; ich sehe unser Haus und den Garten und dann unwillkürlich das abscheuliche Arresthaus."
    Georg würde gerne wieder nach Hause, nach Darmstadt, doch wenn er an sein Haus und den Garten denkt, muss er gleichzeitig auch an das Arresthaus in Darmstadt denken, in dem gerade sein Freund Weidig gefangen ist. Wenn er nach Hause kommen würde, müsste er damit rechnen, dass er auch verhaftet wird, da er steckbrieflich gesucht wird. All das bedeutet, dass er mit gemischten Gefühlen an Darmstadt denkt.

    Die anderen drei Zitate sind genauso geschrieben, wir unsere zwei Beispiele. Im Prinzip geht es Büchner in seinen Briefen immer um die miese Behandlung des Volkes durch die Obrigkeit. Ihm geht es vor allem auch darum, dass die Bevölkerung nicht bemerkt, wie schlecht es ihr eigentlich geht, weil sie ihr ganzes Leben in diesem "Gefängnis" verbringt.
    "Weil wir im Kerker geboren und groß geworden sind, merken wir nicht mehr, dass wir im Loch stecken mit angeschmiedeten Händen und Füßen und einem Knebel im Mund." (Strassburg 1833)
     

3. Verfasst eine differenzierte Würdigung und kritische Beurteilung des museumspädagogischen Konzeptes des Büchnerhauses.
    Positiv aufgefallen ist uns sofort, dass man alles anfassen darf und nicht aufpassen muss, dass etwas kaputt geht. Dadurch, dass man alles berühren darf, kann man sich besser in die Lage der Familie hereinversetzen und auch nachempfinden wie es ihnen ergangen sein muss. In dem "Raum der Familie und der Kindheit" konnte man sich an den Tisch setzen und je nachdem, auf welchem Platz man gesessen hat, konnte man sich in eine bestimmte Rolle hineinversetzen. Dadurch, dass man nicht nur anschauend an allem vorbeigehen muss, sondern alles anfassen darf, wird man neugierig und verliert nicht so schnell das Interesse an den Ausstellungsstücken und am Museum an sich. Dadurch, dass alle Räume begehbar sind, wirken sie persönlicher und "bewohnt".

    Andererseits ist sehr viel Interpretation und auch ein wenig Vorwissen nötig. Um alle Räume zu erkunden braucht man also sehr viel Zeit, da man sich viele Zusammenhänge selbst erarbeiten muss. Ein weiterer Nachteil ist das Fehlen der Originalrequisiten. Man weiß nicht genau, ob wirklich alles so war, als Georg Büchner geboren wurde, obwohl es bestimmt interessant wäre alles so wie früher vorzufinden.

    Alles in allem sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir diese Art von Museum den "Standardmuseen" vorziehen. Es macht viel mehr Spaß die Geschichte hautnah mitzuerleben, als nur an Schaukästen vorbeizugehen und einen gelangweilten Blick auf die Erläuterungen zum Ausstellungsstück zu werfen. Außerdem finden wir es toll, dass man aus diesem Haus ein Museum gemacht hat, denn wenn man schon das Geburtshaus einer so berühmten Persönlichkeit in der Gemeinde hat, sollte man auch den Mitbürgern ermöglichen etwas über die Person "Georg Büchner" zu erfahren.

(C) Das Copyright dieses Textes liegt bei Irina Knöß, Bettina Meister, Ines Graulich und Julia Meyer aus dem Jahrgang 2000/2001 BG 12