Das "Traumschiff Tante Olga"


Der deutsche Künstler Anatol (K. H. Herzfeld) startete am 20. Juni 1977 um 11.00 Uhr am Jadebusen von Dangast in die offene Nordsee, Bremer Hafen bis Hariasand.

Einige Kinder schickten Anatol noch am gleichen Abend einen Gruß in Form von Papierschiffen auf der Weser.


Die Kinder spielten in dem Projekt eine große Rolle. Die "Tante Olga", die einem Papierboot ähnelt, sollte den Kindern ihre Träume zurück bringen.



Am Morgen des 21. Juni 1977 startete Anatol, so dass er gegen Mittag in Bremen ankam. Dort wird von ihm ein sogenannter Friesenzoll, der auf eine alte hanseatische Tradition zurückführt, verlangt. Er bezahlt 150 DM zur Rettung Schiffbrüchiger. Die Bremer tragen mittelalterliche Kostüme und der Bürgermeister, der die „Besatzung der Tante Olga zum „Friesensekt“ einlädt, wird in einer Sänfte getragen.

Kurz hinter Bremen wird die erste Weserkurve durchquert. Bis Nienburg wird Olga von einem 1500 Tonnen-Frachter gezogen.

Der 20. Juni wird für die Besatzung des Traumbootes der schwärzeste Tag: Tante Olga kollidiert bei Esdorf mit einem Poller und sackt ab. In Landesberger wird es aus dem Wasser gezogen und über Nacht repariert.
Der 4. Tag der Reise beginnt schon etwas besser. Das Schiff hat nun eine bessere Wasserlage. Zwei Schiffsjungen aus Nienburg nehmen mit ihrem 150 PS-Spezialboot Tante Olga in Schlepp und ziehen sie 18 Stunden nonstop durch das Weserhochwasser (1,5 Meter über NN) bis nach Hameln. Trotz der ungewöhnlich starker Strömung kamen sie so weit.
Am 24. Juni kommt die Besatzung des Traumbootes bis nach Holzminden. Am 6.Tag der Traumfahrt geht es ohne Unterbrechung 16-17 Stunden lang bis Hann. Münden. An der Fuldaschleuse kommt Tante Olga einen Tag vor der Eröffnung der documenta 6 an. Zu diesem Zeitpunkt konnte kein anderes Boot fahren, da Hochwasser war. Dank eines 150-Tonnen-Autokrans wird Tante Olga über die Schleuse gehoben.

Die Fahrt endet am "Roten Kater". Dort wird das Boot aus dem Wasser gehoben und mit Zweigen bedeckt am Ufer versteckt. Die Traumreise war beendet.

Doch das war der Besatzung nicht genug: Sie behaupteten vor versammelter Presse, dass das Schiff weg sei!


Zur Eröffnung der documenta 6 am nächsten Tag wurde der Schwindel aufgedeckt und Anatol und seine Crew wurde von ganz Kassel empfangen. Nun stand es für 100 Tage vor der Orangerie auf der Karlswiese und danach für immer vor der Heinrich-Schütz-Schule, bevor es noch bei der internationalen Bootsausstellung "Boot 82" ausgestellt wurde.
Anatol feierte mit den Schülern der HSS ein großes Friesenfest. Doch leider sind die Träume für das Schiff schon lange vorbei, da es so langsam vor sich hin gammelt und dem Vandalismus ausgesetzt ist.

Quelle: "Begleiter durch die documenta 6 in Kassel" von Ingo Döring und Evelin Lehmann

Simon Großpietsch



Wenn Sie mehr über Anatol und das Projekt Traumschiff wissen wollen - an dem auch die "Freie Akademie Oldenburg" beteiligt war - können Sie unter

butjatha.de/documenta.html (Zur Zeit nicht verfügbar.)

butjatha.de/aktionen.html

nachschauen.

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