Die Wege zur Europäischen Union: 1945 - 1957

Die europäischen Staaten haben in der Vergangenheit immer wieder Kriege gegeneinander geführt, in denen große Teile Europas zerstört wurden.

Im 20. Jh. brachen in Europa bereits zwei Kriege aus. die sich auf die ganze Weit ausweiteten:

Der Zusammenschluss von europäischen Einzelstaaten zu einem vereinigten Europa würde einen Krieg zwischen ihnen unmöglich machen. Die Anhänger eines vereinigten Europas sprechen daher auch davon, dass der Nationalstaat durch einen übernationalen Zusammenschluss überwunden werden müsse.

Neben dem Bestreben. den Frieden zwischen den europäischen Staaten zu sichern, gibt es noch andere Gründe für die Vereinigung Europas.

Mittelgroße Staaten, wie die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich. Großbritannien oder Italien sind viel zu klein und zu schwach. um ihre Selbständigkeit gegenüber Großmächten wie den USA oder der Sowjetunion bewahren zu können. Ein mittelgroßer Staat kann sich allein nicht mehr verteidigen. Er muss sich mit anderen verbunden.

Ein Bündnis selbständiger Staaten kann aber leicht wieder auseinanderbrechen. Sicherer wäre eine politische Vereinigung der mittelgroßen europäischen Staaten zu einem Bundesstaat mit gemeinsamer Regierung und gemeinsamen Streitkräften.

Die mittelgroßen europäischen Staaten sind zu klein, um ihre Bevölkerung wirtschaftlich bestens versorgen zu können. Das gleiche gilt erst recht für kleine Länder wie die Niederlande und Belgien.

Dieser Zugang zu ausländischen Märkten kann aber erschwert werden, wenn ein Staat hohe Zölle bei der Einfuhr erhebt. Oft gibt es auch Mengenbeschränkungen. Sie bedeuten, dass nur eine bestimmte Menge eines Gutes eingeführt werden darf. Der wichtigste Grund für Zölle und Mengenbeschränkungen ist der Wunsch, die eigene Industrie vor der Konkurrenz des Auslandes zu schützen.

Für große lndustrieunternehmen ist es daher vorteilhaft, wenn die Grenzen zwischen dem eignen Land und möglichst vielen anderen europäischen Ländern fallen.

Der Zugang zum französischen, italienischen oder niederländischen Markt kann dann nicht mehr durch Zölle oder Mengenbeschränkungen verhindert werden. Umgekehrt erhalten allerdings die französischen. italienischen oder niederländischen Unternehmen freien Zugang zum Markt der Bundesrepublik Deutschland.

Der erste Anlauf zu einem Vereinten Europa scheiterte.

Schon wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges versuchten Politiker aus Frankreich, Italien. Belgien. den Niederlanden, Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland, ihre sechs Länder wirtschaftlich. militärisch und politisch zusammenzuschließen (siehe auch (Schuman-Plan)

Der erste Schritt war die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle undStahl (Montan-Union) 1952.

In der Montan-Union unterstellten die sechs Länder ihre Kohlebergwerke und ihre Stahlerzeugung einer gemeinsamen Kontrolle. Für den Aufbau der vom Krieg zerstörten Wirtschaft der sechs Staaten waren Kohle und Stahl damals besonders wichtig.

In der Bundesrepublik Deutschland liegen die reichsten Kohlevorkommen der sechs Länder. Vor allem Frankreich war an Lieferungen deutscher Kohle interessiert. Doch auch für die Bundesrepublik Deutschland war die Montan-Union vorteilhaft. Sie trug dazu bei, das Misstrauen zu beseitigen, das die westlichen Nachbarn gegenüber Deutschland noch empfanden. Es war schließlich erst wenige Jahre her, dass deutsche Truppen Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg besetzt hatten.

Den zweiten Schritt zu einem vereinigten Europa sollte die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) bilden. Sie wurde 1952 von den sechs Regierungen beschlossen die im gleichen Jahre schon die Montan-Union errichtet hatten. Die Bundesrepublik Deutschland durfte damals noch keine eigenen Streitkräfte unterhalten. Die USA und die meisten europäischen Demokratien wünschten aber einen Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur gemeinsamen Verteidigung. Sie fürchteten die wachsende militärische Stärke der Sowjetunion. Nur sollte dieser Beitrag möglichst nicht dadurch erfolgen, dass die Bundesrepublik Deutschland eine eigene Streitmacht bekam. Sieben Jahre nach Kriegsende wünschten Deutschlands Nachbarn keine deutscher Soldaten. Auch die Bürger der Bundesrepublik Deutschland waren von der Aussicht, eigene Soldaten aufstellen zu müssen, wenig begeistert.

In der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft sollte es aber keine eigenen Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. sondern deutsche Soldaten als Teil einer übernationalen Streitmacht unter gemeinsamem Befehl geben. Die Soldaten aus der Bundesrepublik Deutschland wären von Anfang an "Europäer" gewesen.

Mit der Montan-Union und der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft schien das vereinigte Europa beinahe verwirklicht zu sein. Es wurde als selbstverständlich angesehen. dass die sechs Länder. die ihre wichtigsten Industriezweige und ihre Verteidigungsstreitkräfte zusammengelegt hatten, nun auch eine gemeinsame Regierung bilden wurden. Doch 1954 lehnte die französische Volksvertretung es ab, dem Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft zuzustimmen. Die Politiker, die Frankreichs Selbständigkeit erhalten wollten, hatten sich durchgesetzt.

Der erste Anlauf zu Europa war gescheitert. Die Bundesrepublik Deutschland begann mit dem Aufbau eigener Streitkräfte und trat 1955 der NATO bei.

Die politische Vereinigung Europas war nach dem Scheitern der EVG in weite Ferne gerückt. Den sechs Staaten, die sich an der Montan-Union beteiligten, gelang aber wenigstens mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft(EWG) ein enger wirtschaftlicher Zusammenschluss.

1957 gründeten Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und (Römische Verträge).

Die wichtigsten Ziele der EWG waren:








Startseite