Lebenspraxis an der Geschwister-Scholl-Schule Niddatal
1. Was bedeutet "Lebenspraxis"?2. Lebenspraxis im Unterricht
2.1 Unterrichtsformen zur Schulung eigenverantwortlichen Arbeitens
2.1.1 Freie Arbeit
2.1.2 Tagesplanarbeit
2.1.3 Wochenplanarbeit
2.1.4 Lernen an Stationen
2.2 Umweltbewusste Schule
2.3 Weitere lebenspraktische Ansätze innerhalb des Unterrichts
2.3.1 Klassendienste
3. Lebenspraxis außerhalb des Unterrichts
3.1 Hofdienst
3.2 Spieleausgabe
3.3 Pausenhelfer
3.4 Bus-Scouts
3.5 Kartendienst
3.6 Sanitätsdienst
3.7 Mensa-Service
4. Fazit
1. Was bedeutet "Lebenspraxis"?
Der Begriff "Lebenspraxis" im hier verwendeten Wortsinn entstammt dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan. Im zweiten Teil dieses Plans existiert unter dem Schwerpunkt "Starke Kinder" ein Kapitel mit dem oben genannten Titel.
Zu den Leitgedanken dieses Kapitels zählt vor allem die Unterstützung des Kindes in seiner Selbsttätigkeit mit dem Ziel, Selbstsicherheit und Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Beides sind Voraussetzungen, um Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit im Denken und Handeln zu entwickeln. Lebenspraktisches Lernen zielt auf den Aufbau von Alltagskompetenzen. Diese Arbeit setzt teilweise bereits im Kindergartenalter ein und erstreckt sich bis weit über die Schulzeit hinaus in das Erwachsenenalter. Einige einfache Beispiele für kompetentes selbstständiges Handeln können sein:
- Sich selbst an- und ausziehen
- Alleine den Schulweg bewältigen
- Private Spielkontakte planen
- Die eigene Sprachkompetenz gezielt einsetzen
- Mit Arbeitsmaterialien sachgerecht umgehen
- Tätigkeiten auswählen und Entscheidungen treffen
- Medien konstruktiv nutzen
- Respekt zeigen und sich abgrenzen
- Arbeitsprozesse selbstständig planen, ausführen und reflektieren
Durch lebenspraktische Erfahrungen versteht und durchschaut das Kind seine Lebenswirklichkeit. Dies befähigt es dazu, unabhängig zu denken, selbsttätig, selbstständig und verantwortlich zu handeln. Dies umfasst im Allgemeinen folgende Aspekte:
- Handlungssicherheit gewinnen durch Routinen und gemeinsam ausgehandelte Ordnungen
- Sicherheit, Freiheit und Kontinuität erleben durch die Rhythmisierung des Tagesablaufs
- Anpassung an die Notwendigkeiten des täglichen Lebens
- Problemlösefähigkeit und Handlungskompetenz entwickeln
- Den Lebensalltag durchschauen und Mitwirkungsmöglichkeiten entdecken
- Stärkung des Selbstbewusstseins durch selbstständiges Tun
- Eigene Bedürfnisse kommunizieren können
- In der Auseinandersetzung mit konkreten Alltagsmöglichkeiten Normen und Wertvorstellungen prüfen lernen
- Eigenverantwortlich Entscheidungen treffen
- Eigenen Lebens- und Arbeitsrhythmus finden
- Sich in einer Gemeinschaft zurechtfinden
- Sorge und Verantwortung für andere und für die Gemeinschaft tragen
Die vorliegende Handreichung soll über die vielfältige, engagierte Arbeit der Geschwister-Scholl-Schule im Bereich "Lebenspraxis" Auskunft geben.
2. Lebenspraxis im Unterricht
2.1 Unterrichtsformen zur Schulung eigenverantwortlichen Arbeitens
Die Geschwister-Scholl-Schule versteht sich als eine Schule, die lebenspraktisches Lernen fördert und fordert. Vor allem die Erziehung zur Selbstständigkeit ist ein übergeordnetes Ziel, das sich in vielen Elementen des Unterrichts spiegelt. Vor allem im Schulprogramm definiert die Geschwister-Scholl-Schule über Unterrichtsformen zur Schulung eigenverantwortlichen Arbeitens ihren Anspruch an Unterrichtsformen, die der Förderung lebenspraktischen Lernens dienen. Bei den im Folgenden dargestellten Unterrichtsformen handelt es sich um diejenigen, die im Schulprogramm explizit erwähnt und in der Unterrichtsumsetzung große Verwendung finden. Die im Folgenden dargestellten Unterrichtsformen fördern die Schülerinnen und Schülern im Sinne des lebenspraktischen Lernens in ihrer Selbstständigkeit und bei ihrer Selbstorganisation. In allen dargestellten Unterrichtsformen übernehmen die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess, indem sie ihn selbstständig planen, sich eigene Lernziele setzen und in der Regel auch die Kontrolle ihrer Ergebnisse selbst übernehmen.
2.1.1 Freie Arbeit
Die Freiarbeit ist eine Unterrichts- und Lernform, die besonders im offenen, nicht-lehrerzentrieten Unterricht eingesetzt wird. In der Freiarbeit setzt sich das Kind ein Lernziel, das es in Eigenleistung und mit einem hohen Maß an persönlicher Freiheit zu erreichen versucht. Dem Kind wird in dieser Eigenverantwortung die Entscheidung hinsichtlich einer Auswahl an Arbeitsformen und Inhalten sowie bei der Planung von Aktivitäten überlassen. Somit ist nicht mehr der Lehrer für Planungs- und Entscheidungsprozesse in erster Linie verantwortlich, sondern er übernimmt die Rolle eines Beraters und Begleiters. Die Freiarbeit ist in der Geschwister-Scholl-Schule vor allem im Grundschulbereich verbreitet. In den Klassen gibt es eine Vielzahl an Materialien und Anregungen, die die Kinder in den Phasen der freien Arbeit nutzen können. Neben der Arbeit mit den Materialien können die Kinder in diesen Phasen auch lesen oder Geschichten schreiben.
Lebenspraktisches Lernen findet in dieser Arbeitsform statt, da sich die Kinder völlig frei entscheiden, was sie in solchen Phasen bearbeiten möchten. Somit setzen sie sich selbst Lernziele und übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess. Zu den Freiarbeitsmaterialien, die an der Geschwister-Scholl-Schule verwendet werden, zählen unter anderem verschiedene Lernkarteien für die Fächer Deutsch und Mathematik, LÜK-Material, Logico-Material und viele weitere.

2.1.2 Tagesplanarbeit
Bei der Tagesplanarbeit werden die Aufgaben und Inhalte für einen Vormittag auf einem Plan vorgegeben. Die Vorteile hierbei sind für die Kinder die Überschaubarkeit des Vormittags, die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung sowie die Transparenz der Angebote. Die Grundidee des Tagesplanes ist das selbstverantwortliche Lernen nach eigenem Tempo. Die Kinder bestimmen die Reihenfolge, in der sie die Aufträge bearbeiten, selbst. Somit planen und organisieren sie ihren Lernprozess selbst und tragen dadurch auch Verantwortung für diesen. Mit Hilfe der Tagesplanung wird an dieser Stelle Orientierung und Übersicht geschaffen.
Genau wie bei der Wochenplanarbeit soll auch bei der Tagesplanarbeit die Hilfe des Lehrers nur dann in Anspruch genommen werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Auch bei der Korrektur der erledigten Aufgaben steht die Selbstkontrolle des Schülers im Vordergrund. Anhand der Tagesplanarbeit sollen sowohl die Selbstständigkeit als auch die Selbstorganisation gefördert werden.
2.1.3 Wochenplanarbeit Die Wochenplanarbeit ist eine Methode des offenen, nicht-lehrerzentrieten Unterrichts. Die Schüler erhalten zu Beginn eines bestimmten Zeitraumes (z.B. eine Woche) einen Plan, auf welchem Aufgaben aus den verschiedenen Fächern mit ihren Lerninhalten aufgelistet sind. In den dafür vorgesehenen Unterrichtsstunden besteht die Möglichkeit, den Wochenplan in unterschiedlichen Sozialformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit zu bearbeiten. Die Hilfe des Lehrers soll nur dann in Anspruch genommen werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Auch bei der Korrektur der erledigten Aufgaben steht die Selbstkontrolle des Schülers im Vordergrund. Anhand der Wochenplanarbeit sollen sowohl Selbstständigkeit, Selbstorganisation als auch soziale Kompetenzen gefordert und gefördert werden.
2.1.4 Lernen an Stationen
Beim Stationenlernen sind meistens an verschiedenen Positionen im Raum, den "Lernstationen", Arbeitsaufträge unterschiedlicher Art ausgelegt, die nacheinander von den Lernenden bearbeitet werden. Die Aufträge stehen in einem thematischen Zusammenhang, können aber in der Regel unabhängig voneinander und in unterschiedlicher Reihenfolge bearbeitet werden. Dadurch erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihren Lernweg entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten selbst zu steuern. Unterschiede im Lernverhalten einzelner Kinder können so leichter miteinander vereinbart werden. Im Stationenlernen wird durch Art und Auswahl der Aufträge die Vielfalt möglicher Zugänge zum Stoff betont: Alle Sinneskanäle lassen sich durch die Art des ausgewählten Materials und der Aufgabenstellungen ansprechen. Auch direktes Handeln kann durch gezielte Aufforderungen für Entscheidungen bei der Aufgabenbearbeitung gefördert werden. Die Methode weist den Kindern eine aktive und verantwortungsvolle Rolle innerhalb des Lernprozesses zu.
2.2 Umweltbewusste Schule
Die Geschwister-Scholl-Schule versteht sich als eine Schule mit klaren Leitgedanken, deren konsequente und aktive Umsetzung seit Jahren tradiert wird. Einer dieser Leitgedanken lautet:
"Wir verstehen uns als Bestandteil der Stadt Niddatal, indem wir uns mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, am kulturellen Leben des Ortes teilnehmen und aktiv Umweltschutz betreiben."
Bereits seit dem Jahre 2000 führt die Geschwister-Scholl-Schule eine Maßnahme durch, die sich "Umweltbewusste Schule" nennt. Das Ziel dieser Maßnahme ist die Landschaftspflege im Umfeld der Schule. Zu diesem Zweck hat die Geschwister-Scholl-Schule auch eine Uferpatenschaft für die Uferzonen der Nidda und der Wetter im mündungsnahen Stadtgebiet abgeschlossen.
Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 pflegen bei diesem Projekt mit Unterstützung der Stadt Niddatal und dem Wasserverband Nidda die Uferlandschaft von Nidda und unterer Wetter. Durch die Zusammenarbeit mit schulbezogenen Naturschutzorganisationen, Leistungsträgern (Städtischer Bauhof, Wasserverband Nidda) und der heimischen Kommunalverwaltung bietet sich den Schülern hierbei ein breites Aktionsfeld im aktiven Naturschutz. Die Schülerinnen und Schüler erleben nicht nur sich und ihre Mitschüler und Lehrer, sondern auch städtische Bedienstete, Kommunalpolitiker und ehrenamtlich Tätige. Der gemeinsam erreichte Erfolg stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein des Einzelnen, sondern fördert ebenso die Integration innerhalb der Lerngruppe und der Schulgemeinde insgesamt. Durch die gemeinsame Arbeit lernt der Schüler Verantwortung für den anderen mit zu tragen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, sich an die Notwendigkeiten des alltäglichen Lebens anzupassen und entdecken Mitwirkungsmöglichkeiten im Zusammenleben einer Gemeinschaft. Sie prüfen ihre Normen und Wertvorstellungen und tragen Sorge und Verantwortung für die Gemeinschaft, die in diesem Fall weit über die Schulgemeinschaft hinausgeht und die gesamte Gemeinde Niddatal betrifft.
Wichtige Aspekte der Uferpatenschaft:
- Pflege der Uferböschung (Müllentsorgung, Ausräumen von Schwemmgut usw.
- Anlage und Unterhalt von Einzelgehölzen und Hochstaudenflächen
- Ausbringung und Unterhalt von Aufzuchthilfen für Vögel und Kleintiere
- Anlage von Hecken, spez. Kleinlebensräumen auf ufernahen Parzellen
- Pflege von bestimmten Grünzonen und Gehölzzonen
- Zusammenarbeit der GSS mit dem Wasserverband Nidda und der Stadt Niddatal
- Einbezug weiterer Behörden (Feuerwehr, Sportfischer, Jagdverband, Untere Naturschutzbehörde, etc.
- Einbezug weiterer örtlicher ehrenamtlicher Träger von Naturschutzbelangen (Gesellschaft für Geschichte und Landschaftsschutz, Umweltwerkstatt Niddatal)
- Einbezug der Öffentlichkeit durch Informationen in Medien, Präsentationen und Aktionstagen
- Die GSS als Bestandteil eines regionalen Netzwerkes für den Arten- und Landschaftsschutz
2.3 Weitere lebenspraktische Ansätze innerhalb des Unterrichts
2.3.1 Klassendienste
In allen Klassen der Geschwister-Scholl-Schule gibt es eine Auswahl von Klassendiensten, die von den Kindern erledigt werden. Durch diese Dienste lernen die Kinder, sich an die Notwendigkeiten des alltäglichen Lebens anzupassen. Zudem tragen sie Sorge und Verantwortung für die Gemeinschaft, da die Durchführung der verschiedenen Dienste immer dem Wohl der Klassen- und damit letztlich auch der Schulgemeinschaft zu Gute kommt. Durch solche ausgehandelten Ordnungen und Routinen gewinnen die Kinder an Handlungssicherheit, die sie tagtäglich im Schulleben durch aktives Tun erfahren. In der Regel wechseln die Dienste in den Klassen jede Woche, damit sich die Erledigung dieser gerecht auf alle Kinder verteilt.
2.3.1.1 Tafeldienst
Die Aufgabe des Tafeldienstes ist es, die Tafel nach jeder Stunde ordentlich zu säubern, damit jede Lehrkraft diese als Hilfsmittel in ihren Unterricht einbauen kann. Das Ziel dieses Klassendienstes ist die Steigerung der Unterrichtsqualität, indem die Basis für ein ordentliches, lesbares Tafelbild zu Beginn der Unterrichtsstunde gelegt wird. Die Qualität des Unterrichts wird zusätzlich dadurch gesteigert, dass keine wertvolle Zeit des Unterrichts verloren geht und der Unterricht direkt beginnen kann. Dadurch kommt diese Maßnahme letztendlich wieder den Kindern zu Gute.
Die Kinder lernen durch die konsequente Durchführung des Tafeldienstes die Bedeutung einer ordentlichen Lernumgebung kennen und schätzen. Durch die Erhöhung der Lernzeit tragen sie nicht nur Sorge für die Klassengemeinschaft, sondern auch für sich selbst. Sie legen selbstständig und aktiv die Voraussetzung für ihren eigenen erfolgreichen Lernprozess.

2.3.1.2 Mülldienst
Der Mülldienst hat die Aufgabe, zu festen Zeiten (jeweils montags, mittwochs und freitags nach der ersten großen Pause) die Papiertonne der Klasse zu leeren. Zu diesen Zeiten ist der Zutritt zu den Schulmülltonnen geöffnet. Diese Maßnahme dient dem Zweck, die Reinigungskräfte unserer Schule zu entlasten und regelmäßig für eine geordnete und ordentliche Lernumgebung zu sorgen.
Die Kinder lernen die Bedeutung dieser Maßnahme kennen und übernehmen sowohl Verantwortung für die Klassen-, als auch für die Schulgemeinschaft. Durch diese gemeinsam ausgehandelten Ordnungen und Routinen gewinnen sie an Handlungssicherheit und nehmen im Sinne des lebenspraktischen Lernens zusätzlich eine umweltbewusste Haltung ein. Die Kinder helfen bei der Mülltrennung und sind der erste Bestandteil der Müllentsorgungskette.
Zusätzlich erleben sie die Mülltrennung und Entsorgung als einen für das alltägliche Leben notwendigen Vorgang, an den sie sich anpassen müssen.

2.3.1.3 Austeildienst
Der Austeildienst dient der Unterstützung der Lehrkräfte. Die Kinder helfen den Lehrkräften, Elternbriefe, Arbeitsblätter oder Unterrichtsmaterialien sonstiger Art an den Rest der Klasse auszuteilen. Auch dieser Dienst zeigt den Kindern, wie sie sich in der Klassengemeinschaft einbringen und somit Verantwortung für diese übernehmen können. Sie erleben bestimmte Aufgaben als Notwendigkeiten des alltäglichen (Schul-)Lebens, an dem sie sich aktiv beteiligen. Somit sorgen sie selbst für eine strukturierte und organsierte Lernumgebung und verhelfen dem Unterricht zu einer höheren Lernzeit, indem sie die Lehrkräfte bei solchen organisatorischen Aufgaben unterstützen.
2.3.1.4 Blumendienst
Der Blumendienst sorgt dafür, dass eventuell vorhandene Pflanzen der Klasse regelmäßig gegossen werden. Dadurch übernehmen die Kinder große Verantwortung in Bezug auf ein Lebewesen und die Lernatmosphäre im Klassenraum. Auch das Gießen von Blumen stellt eine Notwendigkeit des alltäglichen Lebens dar, die somit abwechselnd von den Kindern ausgeführt wird. Nicht nur mit diesem Klassendienst durchschauen die Kinder langsam den Lebensalltag und entdecken Mitwirkungsmöglichkeiten. Sie gewinnen an Handlungssicherheit, indem sie sich aktiv in den Schulalltag einbringen.

2.3.1.5 Fegedienst / Kehrdienst
Der Fege- oder Kehrdienst sorgt zum Abschluss eines Unterrichtstages dafür, dass die Klasse ordentlich verlassen wird. Der gesamte Klassenraum wird dabei gekehrt und der Schmutz in Form von Erde, Papierresten oder Verpackungsmaterialien, die in der Klasse liegen geblieben sind, werden in die Mülleimer der Klasse entsorgt. Dadurch unterstützen die Kinder wiederum die Reinigungskräfte der Schule. Sie übernehmen somit Verantwortung für die Klassen- sowie für die Schulgemeinschaft. Sie erleben das Kehren als eine Notwendigkeit des alltäglichen Lebens und beteiligen sich aktiv an der Herstellung einer gepflegten Lernumgebung, in der sie sich wohl fühlen.

2.3.1.6 Kalenderdienst / Datumsdienst
Der Kalender- oder Datumsdienst sorgt täglich für die Aktualisierung des Datums in Kalendern und / oder an der Tafel. Die Kinder lernen diesen Vorgang als Ritual kennen und tragen mit der Zeit die Verantwortung für die Umsetzung. Dabei lernen sie die Bedeutung des Datums für unsere Gesellschaft kennen und entwickeln ihr Zeitbewusstsein weiter. Die Kinder erfahren die konsequente Durchführung als Notwendigkeit des alltäglichen Lebens, die in allen Bereichen des Lebens von großer Bedeutung ist. Auch bei diesem Klassendienst beteiligen sich die Kinder aktiv am Schulalltag und sorgen für seinen gewohnten Ablauf. Indem sie auch hier die Lehrkräfte unterstützen und dadurch eine hohe Lernzeit ermöglichen, wird die Bedeutung des Datums und des Kalenders auch für die Heftführung oder die Bearbeitung von Arbeitsblättern vorgelebt.

2.3.1.7 Klassenbuchdienst
Der Klassenbuchdienst sorgt an jedem Schultag dafür, dass das Klassenbuch den Lehrkräften zur Verfügung steht. Dafür holen es die jeweiligen Kinder vor Beginn der ersten Stunde des Tages aus dem Verwaltungstrakt und bringen es nach Unterrichtsschluss des Tages wieder dorthin zurück. Auch mit diesem Dienst findet eine Entlastung der Lehrkräfte statt und die jeweils zuständigen Kinder übernehmen die Verantwortung für die Klassen- und Schulgemeinschaft. Da das Klassenbuch für viele organisatorische Aspekte wichtig ist (z.B. Fehlzeiten oder für die Dokumentation von wichtigen Ankündigungen), stellt es eine Notwendigkeit des Schulalltags dar, an den sich die Kinder anpassen. Die Kinder entdecken also auch hier Mitwirkungsmöglichkeiten auf der Basis von gemeinsam ausgehandelten Ordnungen und Routinen, wodurch sie wieder an Handlungssicherheit gewinnen.
3. Lebenspraxis außerhalb des Unterrichts
Nicht nur innerhalb des Unterrichts, sondern auch und vor allem außerhalb des Unterrichts finden sich an der Geschwister-Scholl-Schule vielfältige Aufgaben, Projekte und Maßnahmen, die lebenspraktische Erfahrungen fordern und fördern. In den meisten der im Folgenden dargestellten Aufgaben geht es um gemeinnütziges Handeln, bei denen die Übernahme von Verantwortung eine große Rolle spielt. Das Treffen eigenverantwortlicher Entscheidungen und die Förderung der Selbstständigkeit jedes Einzelnen findet sich in den meisten der dargestellten Aufgaben wieder. Zudem sollen die Aufgaben helfen, die Problemlösefähigkeiten zu entwickeln und die Handlungskompetenzen zu erweitern. Die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler am System Schule ist an der Geschwister-Scholl-Schule ein großes Anliegen der Schulgemeinschaft, weshalb dieses Element in vielen Projekten gefördert wird.
3.1 Hofdienst
Am Hofdienst beteiligen sich alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 10. Dabei ist jeweils eine Klasse für den Zeitraum einer Woche verantwortlich für die Reinigung eines Teilbereichs des Schulhofs. Nach einem festgelegten Plan wechselt die Verantwortlichkeit für diese Aufgabe wöchentlich von Klasse zu Klasse. Die Aufgaben des Hofdienstes liegen in der Reinigung des Schulhofes in seinen 4 Bereichen. Dazu gehören vor allem das Entfernen von herumliegendem Abfall, allerdings kann in manchen Fällen auch das Kehren von Teilen des Schulhofes zu dieser Aufgabe gehören. In der Regel bilden sich Kleingruppen von 3-4 Schülerinnen und Schülern, die zur gleichen Zeit dieser Aufgabe nachgehen. Beim konsequenten Wechsel dieser Kleingruppen sollte sich also jeder Schüler einmal pro Woche, in der seine Klasse für den Hofdienst verantwortlich ist, für die Dauer von etwa 20 Minuten dieser Aufgabe widmen müssen. Mit der Durchführung des Hofdienstes beteiligen sich die Schülerinnen und Schüler aktiv am Schulleben und entdecken somit Möglichkeiten der Mitwirkung in diesem. Sie passen sich an die Notwendigkeiten des täglichen Lebens an und tragen somit Sorge für die Schulgemeinschaft. Sie bilden einen Teil des funktionierenden Gesamtsystems der Geschwister-Scholl-Schule, wodurch die Identifikation mit dieser erhöht und das Selbstbewusstsein verstärkt werden kann.
3.2 Spieleausgabe
Bei der Spieleausgabe engagieren sich Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe. Die Geschwister-Scholl-Schule verfügt über eine größere Auswahl an Spielgeräten, die von allen Schülern der Schule jeweils in den großen Pausen ausgeliehen werden können. Dieser Verleih wird an der Geschwister-Scholl-Schule vollständig von Schülerinnen und Schülern übernommen. In der Regel erfolgt dieser Verleih nach folgendem Schema:
- Die Schülerinnen und Schüler der Spieleausgabe öffnen zu Beginn der großen Pausen (zumindest in den wärmeren Monaten und nur an trockenen Tagen) das Häuschen, in dem die Pausenspielgeräte gelagert sind
- Alle anderen Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule haben nun die Möglichkeit, sich ein Spielgerät ihrer Wahl an der Spieleausgabe für die Zeitdauer der großen Pause (jeweils 15 Minuten) auszuleihen
- um sich ein Spielgerät ausleihen zu können, muss bei der Spieleausgabe ein Pfand hinterlegt werden, damit sichergestellt werden kann, dass alle Spielgeräte wieder an ihren Ort in der Spieleausgabe zurückkommen
- als Pfand für die Spielgeräte eignet sich der Schülerausweis, da somit die Zuordnung von fehlenden Spielgeräten zu den jeweiligen Schülerinnen und Schülern einfacher und schneller erfolgen kann
- spätestens zum Ende der großen Pause sollen alle Spielgeräte zur Spieleausgabe zurückgebracht werden, wobei die jeweiligen Schülerausweise wieder zurückgegeben werden
- Die Schülerinnen und Schüler der Spieleausgabe wickeln die Rückgabe der Spielgeräte ab, lagern diese wieder ein und überprüfen, ob der Bestand vollständig ist


Bei der Beteiligung an der Spieleausgabe entdecken die Schülerinnen und Schüler die Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schulgemeinschaft. Sie treffen selbstständig Entscheidungen und übernehmen Verantwortung für die Schulgemeinschaft, indem sie sich in dieser aktiv einbringen und dadurch Teil eines funktionierenden Systems sind. Auch der Zeitbegriff stellt in diesem Zusammenhang eine wichtige Komponente dar: durch ihre Arbeit verzichten die Schülerinnen und Schüler auf ihre eigene Pause zum Wohle der Schulgemeinschaft. Durch ihre selbstständige Arbeit gewinnen sie an Selbstvertrauen und erweitern ihre Handlungskompetenz.
3.3 Pausenhelfer
Die Pausenhelfer unterstützen die Lehrkräfte bei der Pausenaufsicht in den großen Pausen. In der Regel sind es Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe, die sich als Pausenhelfer engagieren können. Sie können dabei helfen, Streitigkeiten zu schlichten, Regeln auf dem Schulhof einzufordern oder bei kleineren Verletzungen anderer Kinder diese zum Sekretariat oder zum Sanitätsraum zu bringen. Damit gewährleisten sie zusätzlich, dass die aufsichtsführenden Lehrkräfte ihren Aufsichtsbereich auf dem Schulhof nicht verlassen müssen und eine kontinuierliche Aufsicht ermöglicht wird. Die Arbeit als Pausenhelfer ist ebenfalls eine sehr verantwortungsvolle. Die jeweiligen Schülerinnen und Schüler nehmen Mitwirkungsmöglichkeiten im Schulleben wahr und treffen eigenverantwortlich Entscheidungen. Sie entwickeln Problemlösefähigkeiten und erweitern ihre Handlungskompetenz. Sie engagieren sich in der Schulgemeinschaft, übernehmen Verantwortung für diese und stärken ihr Selbstbewusstsein durch selbstständiges Handeln.
3.4 Bus-Scouts In der Regel engagieren sich Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe als Bus-Scouts. Da es in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen und Streitigkeiten bei der Busaufsicht, beim Einstieg in die Busse oder während der Busfahrt kam, wurden an der Geschwister-Scholl-Schule die sogenannten Bus-Scouts eingeführt. Diese helfen der jeweiligen aufsichtsführenden Lehrkraft bei der Übersicht und Regeleinhaltung während der Wartezeit auf den Bus, beim Einstieg und während der Fahrt. Die Bus-Scouts haben dabei folgende, verantwortungsvolle Aufgaben:
- Vorbeugung von Unfällen auf dem Schulweg
- der Bustransport wird sicherer
- der Busfahrer wird während der Fahrt entlastet
- Minimierung von Gewalt und Streitigkeiten
- Entgegenwirkung von Fehlverhalten
- Verminderung von Beschädigungen am Bus
- Registration von Vorfällen
- Vermeidung von Konflikten
- Förderung von fairem Verhalten
- Überwachung der Regeleinhaltung
- Vermittlung bei Konflikten
- Funktion als Ansprechpartner in allen möglichen Situationen
Die Regeln, die die Bus-Scouts an der Bushaltestelle, beim Einsteigen, während der Fahrt und beim Aussteigen überwachen sollen, sind die folgenden:
An der Bushaltestelle:
- Die Schülerinnen und Schüler stellen sich hintereinander an und stellen ihre Taschen hintereinander ab
- Somit wird Drängeleien, Streitigkeiten und eventuellen kleineren Verletzungen vorgebeugt
- Das Nachlaufen und Ballspielen ist im Bereich der Bushaltestelle aus Sicherheitsgründen untersagt
- Die Kinder halten sich nicht auf der Straße auf
Beim Einsteigen:
- Je 2 Bus-Scouts stehen am Einstieg
- Die Kleinsten steigen zuerst ein
- Ausnahme: Die Reihenfolge der abgestellten Taschen und Rucksäcke entscheidet über die Reihenfolge des Einsteigens
- Der Ranzen oder der Rucksack sollten in der Hand getragen werden
Während der Fahrt:
- Konflikte überwachen und möglichst verhindern
- Beschädigungen am Bus verhindern
Beim Aussteigen:
- Überwachung eines geregelten Ausstiegs
Durch diese vielfältigen Aufgaben fällt den Bus-Scouts eine große Verantwortung zu. Dabei entwickeln sie ihre Problemlösefähigkeit und erweitern ihre Handlungskompetenz. Durch ihr selbstständiges Tun und durch das Treffen eigener Entscheidungen stärken sie ihr Selbstbewusstsein und übernehmen eine große Verantwortung für die Schulgemeinschaft. Durch ihre aktive Mitwirkung am Schulleben tragen sie schließlich auch Sorge für die Angestellten und die Nutzer der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe.
(siehe auch hier. )
3.5 Kartendienst
Der Kartendienst der Geschwister-Scholl-Schule sorgt für die Ausstattung der Klassen mit Landkarten und ermöglicht gleichzeitig eine Übersicht über den Bestand der verfügbaren Karten der Schule. Für die Ausführung dieses Dienstes ist eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarstufe, in der Regel die Lerngruppe von Herrn Lummitsch, verantwortlich. Als Fachbereichsleiter Geographie hat er den Kartendienst an der Geschwister-Scholl-Schule eingeführt. Sobald eine Lehrkraft eine Landkarte aus dem Bestand der Schule für ihren Unterricht nutzen möchte, trägt sie sich in eine extra für diesen Zweck angefertigte Liste unter Angabe des Klassenraums und der benötigten Landkarte ein. Sobald Herr Lummitsch auf der Liste einen Kartenwunsch entdeckt, gibt er diesen an den Kartendienst weiter. Dieser ist nun dafür verantwortlich, die entsprechende Landkarte in den Klassenraum zu transportieren, in dem sie benötigt wird. Auch die Übersicht über den Kartenbestand und der Rücktransport der Landkarten gehören zu den Aufgaben des Kartendienstes. Die Schülerinnen und Schüler, die sich beim Kartendienst engagieren, beteiligen sich am Schulalltag und entdecken in diesem Möglichkeiten der Mitwirkung. Sie passen sich an die Notwendigkeiten des Schulalltags an und finden sich in der Schulgemeinschaft zurecht, indem sie ein Teil von dieser werden. Durch ihre Arbeit bilden sie ein Teil des Systems Schule und durchschauen ein Stück des Lebensalltags in der Geschwister-Scholl-Schule.
3.6 Sanitätsdienst
Im Sanitätsdienst engagieren sich Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe. Zu diesem Zweck haben die Schülerinnen und Schüler eine Ersthelfer-Ausbildung absolviert und stellen sich mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten in den Dienst der Geschwister-Scholl-Schule. In den großen Pausen stehen immer mindestens zwei der Schülerinnen und Schüler im Sanitätsraum bereit und helfen anderen Kindern bei kleineren oder auch größeren Verletzungen. Zusätzlich sind immer zwei der Schülerinnen und Schüler des Sanitätsdienstes über ein Mobiltelefon erreichbar und können bei Notfällen innerhalb der Schulzeit jederzeit kontaktiert werden.
Dass diese Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler eine große Verantwortung mit sich bringt, muss nicht weiter ausgeführt werden. Die jeweiligen Schülerinnen und Schüler unterstützen die Schulgemeinschaft und entlasten somit Lehrkräfte und unser Verwaltungspersonal vor allem in den Zeiten der großen Pausen. Die Einrichtung des Sanitätsdienstes stellt eine absolute Notwendigkeit des Schullebens dar. Innerhalb dieses Dienstes können die Schülerinnen und Schüler ihre Handlungskompetenz erweitern und sich aktiv und vor allem im Sinne der Schulgemeinschaft am Schulleben beteiligen.
3.7 Mensa-Service
Für den Mensa-Service sind die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen verantwortlich. Zum Ende der Mittagspause sorgen sie dafür, dass die Mensa ordentlich und sauber verlassen wird. Zu ihren Aufgaben zählen hierbei unter anderem das Stellen der Tische und Stühle oder das Wischen der Tische.
Durch ihr gemeinnütziges Handeln unterstützen sie Reinigungskräfte, die Bediensteten der Mensa und somit letztlich die gesamte Schulgemeinschaft. Sie beteiligen sich am Schulalltag und passen sich an Notwendigkeiten des täglichen Lebens an. Durch solche gemeinsam ausgehandelten Ordnungen rhythmisiert sich der Tagesablauf der Schülerinnen und Schüler, wodurch sie schließlich auch an Handlungssicherheit gewinnen.
4. Fazit Anhand der in dieser Handreichung beschriebenen Elemente lebenspraktischen Lernens an der Geschwister-Scholl-Schule Niddatal wird bereits deutlich, in welch umfangreichen Ausmaß Lebenspraxis hier gefördert wird. Die beschriebenen Unterrichtsformen und Projekte sind allesamt im Schulprogramm enthalten und werden daher in bedeutendem Maße an unserer Schule umgesetzt.
Die Erziehung zur Selbstständigkeit, die Übernahme von Verantwortung und die aktive Schülerbeteiligung im Schulallatg sind charakteristische Grundsätze der Geschwister-Scholl-Schule. Diese Grundsätze finden nicht nur im alltäglichen Unterrichtsablauf großen Raum und werden durch viele weitere Projekte, Maßnahmen und Unterrichtsformen erreicht.
Die engagierte Arbeit der Geschwister-Scholl-Schule im Bereich des lebenspraktischen Lernens kann in dieser Handreichung nur in einem begrenzten Rahmen dargestellt werden: der größte gemeinsame Nenner dieser Ansätze, vereinbart durch das Schulprogramm, wird ausführlich beschrieben und erläutert. Allerdings finden sich zahlreiche weitere Unterrichtsformen und Projekte an unserer Schule, die die Kinder im Sinne des lebenspraktischen Lernens fördern. Eine Auflistung dieser Ansätze innerhalb dieser Arbeit ist nicht möglich, da diese zwischen den einzelnen Lehrkräften stark variieren können. Hierbei ist es den einzelnen Lehrkräften aufgrund persönlicher Vorlieben und der ihnen zugesprochenen pädagogischen Freiheit vorbehalten, auf welche Art und Weise und mit Hilfe welcher Methoden sie die Kinder in diesem Sinne tagtäglich fordern und fördern. Nicht nur aus diesem Grund kann diese Handreichung nur einen groben Überblick über die Ansätze des lebenspraktischen Lernens an unserer Schule bieten. Gleichzeitig wird jedoch auch deutlich, dass die Arbeit der Schule in diesem Bereich keinesfalls an einem Endpunkt angekommen ist. Auch in Zukunft wird die Schule ihre Grundsätze aufrechterhalten und den Schülern vielfältige Möglichkeiten der aktiven Beteiligung am Schulalltag bieten. Durch die Übernahme von Verantwortung, die Erziehung zur Selbstständigkeit und die Erweiterung der Handlungskompetenz können die Schüler an der Geschwister-Scholl-Schule tagtäglich für ihr weiteres Leben lernen.Nicht nur deshalb wird die Schulgemeinde ihren Schülern immer wieder vielfältige Möglichkeiten bieten, in diesem Bereich letztendlich auch ihre eigene Persönlichkeit weiterentwickeln zu können.