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Der Natur auf der Spur
Suttner-Schule bewirbt sich um Umweltpreis

Ob Streuobstwiese oder Feuchtbiotop, ob Bienenhotel oder Photovoltaikanlage – Umweltthemen finden im Biologieunterricht der Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau seit jeher nicht nur zwischen Buchdeckeln und an der Tafel statt, sondern zeigen sich vor allem im praktischen Handeln. Um die Abläufe in der heimischen Natur live verfolgen zu können, haben die Mädchen und Jungen der Gesamtschule in den vergangenen Jahren kräftig Hand angelegt. Im Rahmen von Projektwochen sowie im Wahlpflichtunterricht wurden unter Federführung des Fachbereichs Biologie das Feuchtbiotop instand gesetzt, Stauden- und Kräuterbeete angelegt sowie zwei Bienenvölker gepflegt. Zusätzliches Vorzeigeprojekt und ganzer Stolz ihrer Betreuer ist zudem die seit Beginn der 90iger Jahre entstandene und seitdem liebevoll kultivierte schuleigene Streuobstwiese, die inzwischen mehr als fünfzig hochstämmige Obstbäume umfasst und bei Schulfesten heiß begehrten Apfelsaft liefert. Doch Pflanzenpflege sowie der sinnliche Genuss von Küchenkräutern und selbst Gekeltertem als Lohn für all die Mühe sind nur vordergründige Unterrichtsinhalte im pädagogischen Gesamtkonzept, das das grundlegende Verständnis ökologischer Kreisläufe zum Ziel hat. Den Zusammenhang von Bestäubung und Fruchtertrag erfahrbar zu machen, dient auch das jüngste Projekt der Fachgruppe Ökologie, die im vergangenen Jahr von Schülern des Jahrgangs acht errichtete Insektennistwand. Dazu informierten sich die Jugendlichen über Wildbienen, erkannten den Bedarf an geeigneten Nistmöglichkeiten, prüften einen geeigneten Standort und planten den Aufbau eines Bienenhotels. Dazu mussten der Boden ausgehoben und ein Fundament geschaffen, Bretter und Kanthölzer zurechtgeschnitten und passgenau zusammengefügt werden. Das Ganze wurde nach Süden ausgerichtet und für Spaziergänger und Radfahrer gut sichtbar aufgestellt. Für die Suiten und Zimmer der sechs- und achtbeinigen Hotelgäste wurden Baumscheiben angebohrt und Schilfstücke vom nahe gelegenen Nidderufer gebündelt. Dank einer Spende der Stadt Nidderau konnte ein Nistkasten erworben werden, der sich öffnen lässt. Dadurch können Schülerinnen und Schüler, z. B. im Biologieunterricht, Einblick in das Brutgeschehen der Wildbienen nehmen. Das Bienenhotel soll nicht nur allerlei nützlichen Flatter- und Krabbeltieren eine angenehme Wohnstatt bieten, sondern besonders die einheimischen Wildbienen dazu einladen, in den unterschiedlich präparierten Baumscheiben und Nistkästen der Anlage Quartier zu nehmen und sich im Gegenzug um die Bestäubung der benachbarten Streuobstwiese verdient zu machen, damit der Obst- und Apfelsaftnachschub auch in diesem Sommer gesichert ist. Für das laufende Schuljahr ist als zusätzliches naturnahes Nistangebot eine Lehmwand geplant. Parallel zum „Hotelbau“ führte eine weitere Schülergruppe, ebenfalls aus dem Jahrgang acht, Schnitt- und Pflegemaßnahmen an den Obstbäumen durch. Sie erstellte darüber hinaus ein Kataster der einzelnen Obstsorten und recherchierte ihre Besonderheiten wie Geschmack, Verwendung, Reifezeit und Lagerfähigkeit. Um die Vielfalt der vorhandenen Apfelsorten zu dokumentieren, fertigten die Schülerinnen und Schüler Holztafeln mit den botanischen Bezeichnungen an und befestigten sie an den Bäumen. Auch der jüngste Jahrgang der Gesamtschule ist in das Streuobstprojekt eingebunden. Jede fünfte Klasse hat bereits ein eigenes Obstbäumchen gepflanzt und mit einer Patenschaft Verantwortung für die Dauer ihrer Schulzeit übernommen. Alle diese Maßnahmen sind an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientiert, wie Werner Schönhals von der Fachgruppe Ökologie der Bertha-von-Suttner-Schule erläutert. Gemeinsam mit seinen Kollegen Martin Suchatzki und Karin Braun entwickelt und betreut er das Konzept „Umweltlernen“ an der Gesamtschule, deren naturräumliche Umgebung sich seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren grundlegend verändert hat. Die „Schule im Grünen“ von damals steht heute in unmittelbarer Nachbarschaft eines großen Wohngebietes und wird durch die geplante „Neue Mitte“ der Stadt Nidderau mit weiterer Umgebungsbebauung zu rechnen haben. Dieser fortschreitenden Veränderung ihrer Umgebung will die Schule weitgehende Begrünung entgegensetzen, wobei die naturräumlichen Gestaltungsmerkmale sowie die vorhandene und standortgerechte Pflanzenwelt berücksichtigt werden. Mit all ihren Projekten rund um praktischen Umweltschutz bewirbt sich die Bertha-von-Suttner-Schule jetzt um das Prädikat "Umweltschule - Lernen und Handeln für unsere Zukunft". Diese Auszeichnung wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und vom Hessischen Kultusministerium jährlich für das besondere Engagement einer Schule im Bereich Umwelterziehung und ökologische Bildung vergeben. Gewürdigt wird dabei die Verbesserung der Qualität von Unterricht und Schulleben im Sinne der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Eine weitere Anerkennung für die ökologischen Bildungsziele und ihre vielfältige und kreative Umsetzung erhoffen sich die engagierten Pädagogen vom Main-Kinzig-Kreis: Eine Bewerbung um den Umweltpreis 2011 ist unterwegs.

S. Falk, 19. Februar 2011


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