Einblicke
in fremde Seelen
Nachwuchs-Autorinnen lasen in Nidderau
Mit Schulaufsätzen nur
noch wenig
gemein haben die literarischen Fingerübungen, die die Ovag als Ergebnis
ihres jüngsten Jugend-Literaturpreises präsentiert. Bereits zum siebten
Mal haben die Oberhessischen Versorgungsbetriebe schriftstellerische
Nachwuchstalente in ihrem Einzugsbereich zum Schreibwettbewerb
aufgefordert und aus über dreihundert Einsendungen die zwanzig besten
Texte ausgewählt, in einem Buch zusammengefasst und veröffentlicht. Zur
Tradition des ovag-Literaturwettbewerbs gehört es inzwischen auch, dass
die erfolgreichen jungen Autorinnen und Auto-ren anschließend eine
Lesetournee durch die Schulen antreten, um weitere Schreibbegeisterte
zum Mitmachen zu ermutigen. Zur Buchpräsentation nach Nidderau kamen
Sabine Theiß, Sarah Meisin-ger und Manon Cavagna, die alle drei in
Bad-Nauheim zur Schule gehen und eigenem Bekunden zufolge schon länger
der Schreibleidenschaft verfallen sind. Den Schülerinnen und Schüler
der Klas-sen neun und zehn der Bertha-von-Suttner-Schule, die sich zur
Lesung der nur unwesentlich älteren Preisträgerinnen in der Aula
eingefunden hatten, eröffneten sich differenziert beschriebene,
berüh-rende und bisweilen verstörende Einblicke in vollkommen fremde
Lebenswelten. Von Liebe, die in Obsession umschlägt, handelt die
Geschichte, die Sabine Theiß aus Nidderau geschrieben hat. Mit welcher
Wucht die Krankheit AIDS die Lebenspläne eines jungen Südafrikaners
zerstört, hat die Kar-benerin Sarah Meisinger in nüchterne, aber
nichtsdestoweniger einprägsame Worte gefasst. Dass der Tristesse eines
Bahnhofes auch Poesie zu entlocken ist, zeigte Manon Cavagna aus
Rosbach mit ihrem Text „Entlang der Gleise“, der die Gedanken und
Beobachtungen eines sensiblen Bahnhofs-putzmannes während seiner
täglichen eintönigen Arbeit formulierte. Gerald Diehl,
stellvertretender Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Schule, dankte den
drei jungen Autorinnen für ihren Lesevortrag sowie Silke Rodemerk von
der ovag, die die jungen Preisträgerinnen bei ihrer Vorlesetournee
betreut. Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß, der die Lesung
ebenfalls besuchte, ermunterte die Schülerinnen und Schüler, zum
kommenden Wettbewerb reichlich Texte einzureichen, sei mit der
alljährlich stattfindenden Nidderauer Buchmesse die Stadt doch ein
idealer Nährboden für Schreibta-lente, von denen an der „Bertha“ sicher
etliche schlummerten. Die Besten werden nicht nur mit einem Geldpreis
und der Veröffentlichung ihres Textes belohnt, sondern nehmen auch an
einem mehrtägi-gen Literaturworkshop teil, in dem Schriftsteller und
Journalisten den erfolgreichen Nachwuchs mit Profitipps und Tricks in
die Geheimnisse des Schreiberhandwerks einführen.
S. Falk, 10. Februar 2011