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Geschichte aus erster Hand
Schüler bei Trude Simonsohn


Verfolgung und Verhaftung, Hunger und Verzweiflung im Ghetto, Transport nach Auschwitz, Befreiung durch die russische Armee – es gibt nur noch wenige, die das Grauen erlebt und überlebt haben und als Zeitzeugen den papierenen Fakten aus den Geschichtsbüchern Gesicht und Stimme geben können. Eine von ihnen ist die 90-jährige Trude Simonsohn, die seit einem halben Jahrhundert Schulklassen auf eine unvergessliche und erschütternde Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Auch die Klasse 10B3 der Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau hat sich auf diese Reise begeben und in den anderthalb Stunden mit der Zeitzeugin mehr über das NS-Regime erfahren, als es der herkömmliche Geschichtsunterricht mit Büchern und Filmen leisten könnte. Es waren bewegende Momente aus einem bewegten Leben, mit deren Schilderung die Überlebende des Holocaust die Jugendlichen in der Anne-Frank-Begegnungsstätte in ihren Bann zog: Wie sich die Stimmung in ihrer tschechischen Heimat mit dem Einmarsch der Deutschen am 15. März 1939 schlagartig gegen die jüdische Bevölkerung kehrte, wie sie nach ihrer Verhaftung wegen illegaler zionistischer Jugendarbeit wochenlang von Gefängnis zu Gefängnis weitergereicht wurde, wie sie im KZ Theresienstadt ihre große Liebe fand, als politische Gefangene in Auschwitz landete und schließlich am 9. Mai 1945 von den Russen in Merzdorf, einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen, befreit wurde. Auch „Reiseandenken“ aus der damaligen Zeit hatte sie mitgebracht, wie zum Beispiel die damalige Währung und den Judenstern, den sie als Erkennungszeichen sichtbar auf ihrer Kleidung zu tragen hatte. Die Jugendlichen aus Nidderau, die mit ihrer Lehrerin Karin Braun im Rahmen des Geschichtsunterrichts gekommen waren, zeigten sich berührt und beeindruckt von dieser lebendigen Schilderung der Trude Simonsohn, die zum Abschluss den Appell an sie richtete, sich niemals verführen zu lassen von Neonazis und ihren fremdenfeindlichen Parolen, sondern sich zu engagieren für eine bessere Welt, in der jeder Mensch gleich viel wert sei, egal welcher Herkunft oder Religion er sei.

S. Falk, 1. Mai 2011

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