Am
besten gar nicht erst anfangen
Deutsche Herzstiftung klärt über Folgen des Tabakkonsums auf
Der Anblick ist wahrlich zum Abgewöhnen: Neben das Foto der gesunden
Lunge, deren rosig-frische Flügel sich um einen offensichtlich
durchtrainierten straffen Herzmuskel schmiegen, projiziert der Beamer
das Vergleichsbild des von Teerpartikeln zugerußten Atmungsorgans mit
einem bemitleidenswert bleichen, ausgeleierten Herzen, dessen schlaffe
Wände kaum in der Lage scheinen, die Pumpleistung für einen Spaziergang
in etwas flotterer Gangart zu erbringen „So sieht eine Raucherlunge
nach zehn bis fünfzehn Jahren Tabakkonsums aus“, informiert die Ärztin
Dr. Waltraud Soyka, die im Rahmen der Aktion „Rauchzeichen“ der
Deutschen Herzstiftung Schülerinnen und Schülern des 7. Jahrgangs der
Bertha-von-Suttner-Schule die Folgen des Rauchens vor Augen führt.
Gemeinsam mit Michaela Nedela-Morales, Koordinatorin des Projekts,
bringt sie den Jugendlichen eine Doppelstunde lang Wissenswertes zum
Thema „Rauchen oder Gesundheit“ in sachlicher und verständlicher Form
näher. Dabei setzen die Dozentinnen, trotz der eingangs beschriebenen
Vorher-Nachher-Bilder, weniger auf Abschreckung als auf Information,
geht man doch unter Fachleuten davon aus, dass das Gros der
Siebtklässler noch keine Raucherkarriere begonnen hat und in diesem
Alter für Aufklärung empfänglich ist. Betroffen zeigen sich die
Jugendlichen zunächst von den im Film gezeigten Raucherschicksalen, die
zum Auftakt der Veranstaltung gezeigt werden: Der junge Mann, der mit
21 Jahren einen Herzinfarkt erlitt und seitdem jede körperliche
Anstrengung meiden muss; die Frau, deren Ehemann mit 49 an Lungenkrebs
starb, der ältere Herr im Rollstuhl, dem beide Beine amputiert werden
mussten. Die Siebtklässler im Hörsaal wissen auf Rückfrage der
Dozentinnen durchaus gut Bescheid, haben von den verheerenden Wirkungen
des Tabakrauchs auf Atemorgane und Blutgefäße schon häufig gehört und
können detailliert Auskunft geben, warum der junge Infarktpatient im
Film bereits beim Treppensteigen außer Atem gerät: Sein Herz ist nicht
mehr in der Lage, den Mehrbedarf an Sauerstoff zu den Muskeln zu
bringen. Was von einem gesunden Herzen im Alltag erwartet wird,
erproben die Schüler anschließend am eigenen Leib mit Hilfe der
ausgeteilten Stethoskope: Nur ein paar Luftsprünge und Kniebeugen sind
nötig, um das Herz zu einer hör- und zählbaren Leistungssteigerung zu
bringen. Warum die meisten Menschen dies wissen und trotzdem so viele
rauchen, fragt Dr. Soykal die Jugendlichen. Auch hier kennen sich die
Siebtklässler aus, wissen von Gruppendruck, Langeweile, dem
Coolnessfaktor der Zigarette. Ein Schüler bezeichnet es als Dummheit,
mit dem Rauchen anzufangen. Die Dozentin gibt ihm in Prinzip Recht,
wirbt aber gleichzeitig für Verständnis vor allem für die Raucher der
älteren Generation. Früher habe man schlichtweg nicht gewusst, welche
gesundheitlichen Gefahren das Rauchen mit sich bringt und auch den
Suchtfaktor des Nikotins verharmlost. Wie sich Blutgefäße und Atemwege
unter dem Einfluss von Tabakrauch verändern, zeigen Fotos,
Röntgenbilder, Ultraschallfilme und Computeranimationen, dazu gibt es
nüchternes Zahlenmaterial über den Anstieg der Neuerkrankungen und
Sterbefälle, die auf das Rauchen zurückzuführen sind. Dass sich dabei
die Raucher nicht nur selber schaden, sondern ihre ganze Umgebung zum
Passivrauchen zwingen, wissen die Jugendlichen ziemlich genau. Wie
viel schädlicher der nebenbei eingeatmete Qualm gegenüber dem direkt
inhalierten aus dem glühenden Glimmstängel ist, erklärt die Ärztin auf
einleuchtende Weise mit der niedrigeren Temperatur der vor sich hin
schwelenden Zigarette, bei der die Schadstoffe nicht verbrennen und bis
zu hundertmal mehr gasförmige Giftstoffe in der Umgebung verbreitet
werden. Schließlich wird auch die in den letzten Jahren in Mode
gekommene Wasserpfeife als vermeintlich gesündere Alternative
entzaubert. Wegen der niedrigen Brenntemperatur ist die
Giftstoffkonzentration beim Shisha-Rauchen ungleich höher, und weil
man kräftig ziehen muss, gelangt der Rauch auch noch bis ins letzte
Lungenbläschen. Was die Aufnahme von Gift in den Körper betrifft, so
entspricht eine gemütliche Shisha-Runde zu viert für jeden einzelnen
dem Konsum von rund 25 Zigaretten und führt damit auch ziemlich sicher
in die schnelle Nikotinabhängigkeit. Seit fünf Jahren betreibt die
Deutsche Herzstiftung die Aktion „Rauchzeichen“ als
Präventionsprogramm an Schulen. Ins Leben gerufen wurde die Kampagne
von Professor Martin Kaltenbach, dem Ehrenvorsitzenden der Deutschen
Herzstiftung, der auch die Schirmherrschaft für die Zusammenarbeit mit
den Schulen innehat. Ziel des Aufklärungsprojekts ist es, vom
ärztlichen Standpunkt aus die Folgen des Rauchens für jeden einzelnen
sowie den Umgang mit sich und der eigenen Gesundheit zu erörtern sowie
das Selbstbewusstsein der Jugendlichen und ihre Verantwortung für das
eigene Handeln zu entwickeln, damit sie sich gegen das Rauchen
entscheiden können. Den Siebtklässlern der Bertha-von-Suttner-Schule
gefiel bei dieser Form des Gesundheitsunterrichts besonders die Übung
mit dem Stethoskop, aber auch die Filme und Bilder haben einen starken
Eindruck hinterlassen. „Rauchen? Nichts für mich“, so das Fazit der
dreizehnjährigen Lena. Und ihr Klassenkamerad Dennis ergänzt: „Wer
damit anfängt, hat nix kapiert.“
S. Falk, 15. Mai 2011