Die
Mörderpuppe im Schlosskeller
Zweite Grusel-Lese-Nacht der Bertha-von-Suttner-Schule
Wenn sich in dunkler Novembernacht dichte Nebelschwaden von der Nidder
erheben und mit feuchten Fingern unheimliche Schatten in die matt
beleuchteten Windecker Altstadtgässchen malen, dann ist die richtige
Zeit gekommen für alle, die gute Geschichten mit Gruseleffekt mögen und
sich am liebsten in Gemeinschaft fürchten. Da dies für einen Großteil
der Zehn- bis Zwölfjährigen zutrifft, gab es einen Abend lang für die
Sechstklässler der Bertha-von-Suttner-Schule eine Vorlesetour mit
Gruselgeschichten an ausgesuchten Orten, die das Gänsehautgefühl auf
schrecklich-schöne Weise verstärkten: Ein trockenes Weidengebüsch am
Nidderufer, vom nebelverschleierten Mondlicht diffus beleuchtet, ein
Mauerwinkel neben der Bücherei, von flackerndem Kerzenschein schwach
erhellt, der ins tiefe Dunkel getauchte Lesesaal der Stadtbibliothek,
nur ein Lämpchen glüht über dem aufgeschlagenen Buch der beiden
Vorleserinnen, schließlich der Gewölbekeller im Schloss, wo Skelette
in barocken Kostümen die Bühne flankieren. Gruppenweise erreichten die
Mädchen und Jungen die verschiedenen Stationen der Rundtour, teilweise
von den Eltern begleitet, die an dieser Art der spannenden Unterhaltung
mindestens genauso viel Spaß hatten wie ihre Kinder. Auch wenn diese
zum Teil noch etwas verunsichert waren über den möglichen
Wahrheitsgehalt von manchen der vorgetragenen Geschichten: Kinder, die
auf rätselhafte Weise in einem Zauberspiegel verschwinden, die Rache
eines Berggeistes, der von einem Fluch erlöst werden will, ein altes
Gemälde, das auf bedrohliche Art in das Leben seiner Betrachter
eingreift. Abschluss und Höhepunkt der Gruselwanderung war wie im
letzten Jahr der Windecker Schlosskeller. Hier wurden die Kinder von
Lars Henkmann und Katharina Schäck erwartet, die mit passender
Kostümierung die gar entsetzliche Geschichte von Lucy und der
Mörderpuppe stimmlich passend so in Szene setzten, das nicht wenige der
Mädchen und Jungen im Publikum mit schreckgeweiteten Augen dem
unvermeidlichen Ende der armen Lucy entgegen fieberten. Erholung und
Beruhigung nach all der Aufregung gab es dann nach der Rückkehr der
Klassen in der Schule, wo sich die Kinder versammelten und bei Waffeln
und heißem Tee noch einmal nachlegten, diesmal mit selbst geschriebenen
Horrorgeschichten. Organisiert und betreut wurde der abendliche
Gruselspaß nach der guten Resonanz im vergangenen Jahr bereits zum
zweiten Mal von Kerstin Petsch, der Lesebeauftragten der
Bertha-von-Suttner-Schule. Da sich derzeit alle Mädchen und Jungen des
Jahrgangs Sechs in Vorbereitung auf den bundesweiten Vorlesewettbewerb
sehr intensiv mit allerlei Bedrucktem auseinandersetzen, war das
Schreiben, Lesen und besonders das Hören spannender Geschichten ein
besonderer Anreiz, sich dem Medium Buch zu widmen, das es ja
bekanntlich zunehmend schwerer hat, neben den virtuellen Welten
elektronischer Medien zu bestehen. Unterstützt wurde Frau Petsch von
Jennifer Bogar, Julia Kampa, Rebecca Müller, Hanna Posada, Therese
Menne, Jana Becher, Manal Akhouaji und Siham Azinoun, Schülerinnen
älterer Jahrgänge, die mit sichtlichem Spaß am effektvollen Vorlesen
den Jüngeren einen schaurig-schönen Abend bereiteten.
S. Falk, 4. Dezember 2011