Trompete
oder Handball – das ist hier die Frage
Suttner-Schule präsentiert sich als Ort der vielen Möglichkeiten
Keine Zeit für Langeweile gab es beim Tag der offenen Tür der
Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau, die mit einem prall gefüllten
Angebot aus Information und Aktion Schülerinnen und Schüler des
derzeitigen vierten Schuljahres und ihre Eltern zu einem interaktiven
Rundgang durch ihre Räume eingeladen hatte. Neben Informationen zum
Schulprofil, Abschlüssen und Übergängen präsentierten die Fachbereiche
Inhalte und Ergebnisse ihrer Unterrichtsarbeit und luden kleine und
große Besucher zum Mitmachen und Experimentieren ein, präsentierten
Theaterstücke und zeigten selbst gedrehte und prämierte Filme. Auf
besonderes Interesse stießen die Präsentationen der einzelnen
Profilklassen, die mit kleinen Vorführungen Einblicke in ihre
Unterrichtsarbeit gewährten. Schon zum Auftakt der Veranstaltung
brachten die Bläserklassen in der Aula mit ihrem instrumentalen
Großaufgebot die Luft zum Schwingen. Wen dabei die Lust aufs Musizieren
gepackt hatte, konnte ein paar Räume weiter sein Talent erproben:
Angeleitet von älteren Schülern hatten die Besucher im Musikraum
Gelegenheit, Saxophon, Querflöte und Tuba zum Leben zu erwecken.
Während Einige den Instrumenten kaum mehr als ein gequältes Schluchzen
oder schrille Urlaute zu entlocken vermochten, erwiesen sich manche der
jungen Gäste als echte Naturbegabungen. „Nicht die Backen aufblasen!“,
ermahnt Niklas den potenziellen Nachwuchsmusiker, der sich an der
Trompete versucht und mit Hilfe des Zehntklässlers nach kurzem
Herumprobieren einige durchaus erträgliche Töne produziert.
Möglicherweise wird er im nächsten Schuljahr wiederkommen und als
Mitglied der Schwerpunktklasse Musik die Trompete oder ein anderes
Instrument richtig lernen. Reichlich Alternativen dazu bietet die
Schule mit ihrem Angebot von fünf weiteren Schwerpunkten, in denen
vertiefter Unterricht erteilt wird und das nahezu jeder Interessenlage
gerecht wird. Die Bertha-von-Suttner-Schule, vom Hessischen
Kultusministerium frisch zertifiziert als Kulturschule, richtet auch im
kommenden Schuljahr eine Klasse mit dem Schwerpunkt Literatur und
Theater ein, außerdem eine Sprachenklasse, eine Kunstklasse, eine
naturwissenschaftliche Klasse sowie eine Klasse mit sportlichem
Schwerpunkt. Letztere wird sich in enger Kooperation mit dem HSV
Nidderau besonders dem Handballsport widmen. Wie handfest es dabei
zugeht, erlebten die Besucher des Tags der offenen Tür im ersten Stock,
wo die Bälle in rascher Folge Richtung Tor geschmettert wurden. Hier
hatten die Sportler ihren „Infostand“ aufgebaut und gaben allen
Interessierten Gelegenheit, ihr handballerisches Talent zu erproben.
„Very British“ ging es währenddessen bei der jüngsten Sprachenklasse
zu: Die Mädchen und Jungen des 5. Schuljahres luden ihre Gäste zu einer
englischen Teatime mit Cakes und leckeren Sandwichs in der typischen
Dreiecksform ein. Gut vorbereitet auf den Besucheransturm waren auch
die jungen Forscherinnen und Forscher der naturwissenschaftlichen
Klasse. Mit Bunsenbrenner und geheimnisvollen Pulvern zauberten sie
pyrotechnische Effekte und sorgten für Neugierde und Verblüffung beim
Publikum. Ebenfalls viel zu staunen gab es bei den Künstlern im
Untergeschoss, die eine Fülle von Bildern, Skulpturen und Objekten
aller Stilrichtungen und Techniken präsentierten und sich beim
Papierschöpfen über die Schultern schauen ließen. Eine besondere
Vorführung hatte die Literatur- und Theaterklasse des 6. Schuljahres zu
bieten. Die Gruppe arbeitet derzeit an einem Projekt mit Pädagogen des
Frankfurter Tanzlabors21 und zeigte am Tag der offenen Tür erste
Ergebnisse dieser Kooperation, in der Anmut und Körperbeherrschung
gleichermaßen zum Ausdruck kamen. Sinnliche Erlebnisse ganz anderer Art
bot der Wahlpflichtkurs „Umweltlernen“ an: Was die schuleigenen
Obstbäume herzugeben hatten, war in den vergangenen Wochen zu den
verschiedensten Köstlichkeiten verarbeitet worden und konnte z. B.
glasweise als Pflaumenmus erworben und zuvor probiert werden. Nicht ums
Schmecken, sondern ums Riechen, Hören und Fühlen ging es derweil bei
den Biologen, die die Besucher zu einem Parcours der Sinne einluden.
Kräuter erkennen und zuordnen, Waldfrüchte und Kohlsorten erfühlen,
Ingwer, Apfel und Zitrone erschnuppern, die Schüttgeräusche von Reis,
Linsen oder Zucker unterscheiden, mit dem Blindenstock einen Weg
ertasten - in einer von elektronischen Begleitern und standardisierten
Lebensmitteln bestimmten Welt keine leichten Aufgaben. Wie
selbstverständlich diese Entwicklung schon Teil unserer Wirklichkeit
ist, zeigten die flinken kleinen Roboter des Wahlpflichtkurses
Informatik: Von den Schülerinnen und Schülern entsprechend
programmiert, reagieren sie auf Geräusche, folgen einer vorgegebenen
Linie oder unterscheiden bunte Plastikbälle nach Farben. Um in all der
bunten Vielfalt den Überblick nicht zu verlieren, standen Neunt- und
Zehnklässler als Schul-Guides bereit, interessierte Besucher durch die
Räumlichkeiten zu führen. Zusätzlich informierten in der Aula
Hausaufgabenhilfe, Drogenprävention, Schulsanitätsdienst,
Schulseelsorge und die Schulsozialarbeit über ihre Arbeit. Wer nach dem
geballten Angebot zum Schauen und Spielen zur Ruhe kommen musste,
konnte sich beim üppigen Kuchenbüfett des Fördervereins eine
Verschnaufpause gönnen und gemeinsam mit den Kindern die spannende
Frage erörtern, die nach diesem Schulbesuch bei einigen Familien in
Nidderau und Schöneck anstehen wird: Trompete oder Handball?
S. Falk,
November 2011