Die
Qual mit dem Wal
OP-Online,
04.07.09 (Autor:
Michael Prochnow)
Obertshausen - Was sagt uns die
mathematische Formel f(x)=
-0,175x² +6.0522x - 46,498? Na,
wohl schon lange keinen Mathe-Unterricht
genossen? - Es handelt sich
natürlich um die rechte
Schwanzflosse eines Killerwals,
um deren Außenlinie, präziser
definiert.
Die Mathe-Sieger
der 10bG mit Urkunden und
Laudatoren (von links): Lina
Dutzki, Carina Mürell,
Raffaela Schickedanz,
Gabriela Sowwa und Sebastian
Armbrust. Klassen-
und Mathematiklehrerin
Irmtraud Böhm,
Schulamtsdirektor Günter
Rupp, Schulleiter Michael
Weis und Ralph Wagner vom
ausrichtenden Cornelsen-Verlag
gratulierten.
Die „Querdenker“ der Klasse 10bG der
Obertshausener Hermann-Hesse-Schule
mussten die Umrisse ihres „Lieblingstiers“ sehr
exakt formulieren, und zwar in einer mathematischen
Formel. Diese Aufgabe lösten die fünf Gymnasiasten
so gut, dass sie die Deutsche
Mathematikmeisterschaft der Jahrgänge 9 und 10
gewonnen haben.
Ralph Wagner vom Cornelsen-Verlag,
der den Wettstreit ausrichtet, übergab am Donnerstag
in der Schülerbibliothek die Urkunden und 500 Euro
Preisgeld. Er zitierte dazu die Begründung der Jury:
„Es handelt sich um eine sehr runde Darstellung, die
mathematisch, sprachlich sowie optisch überzeugt.“
Weiter lobte das Expertenteam, „die Gruppe hat ihren
Lösungsweg besonders gut erläutert“. Für ihr
Resultat mussten die Schüler sich bislang unbekannte
Vorgehensweisen aneignen. „Das graphische Ergebnis
besticht durch Kreativität und Schönheit“,
schwärmten die Juroren des Schulbuchverlags.
„Zeichne Dein Lieblingstier aus Funktionen“,
lautete der Arbeitsauftrag. Die „Querdenker“ zogen
zunächst einen Orca aus schlichten Bögen. Dann
gesellten sie noch zwei Baby-Wale hinzu,
ein paar Vögel, Eisberge und Welle. Sinuskurven
symbolisieren den Meeresboden, angelegt an die
Darwinschen Theorien könnten sie auch einen DNA-Strang
darstellen. Insgesamt waren 45 Linien zu berechnen,
allein ein Dutzend Funktionen für das Muttertier.
Sechs Wochen lang arbeitete das Sextett zusammen,
montags, donnerstags und freitags blieben die
talentierten Teenager länger in der Schule, manchmal
auch mittwochs. Mehr als zwölf Stunden waren sie so
beschäftigt, zu Hause tauschten sie aktuelle
Erkenntnisse per E-Mail aus. Immer wieder
landeten fehlgeschlagene Versuche im Papierkorb,
erzählte Pädagogin Irmtraud Böhm. Sie schritt ein,
wenn sich ihre Schützlinge auf dem Holzweg befanden.
„Ich habe auch viel dazu gelernt“, gestand die
Studienrätin offen. Vor allem von Computer-Experte
Sebastian, der für das Projekt ein eigenes Vorgehen
entwickelt hat. Die Gruppe füllte schließlich 1 376
Zeilen und 25 Spalten im Excel-Programm,
um die Strichzeichnung in lineare Funktionen
umzusetzen. Das fand auch Schulleiter Michael Weis
„spannend und interessant“. Der Sieg mache ihn
„rasend stolz“, er dankte seiner Kollegin Böhm, der
es immer wieder gelinge, Schüler für die Mathematik
zu begeistern.
Schulamtsdirektor Günter Rupp betonte, dass nun
mit dem Vorurteil aufgeräumt werden könne, die
Schulen in Stadt und Kreis Offenbach stünden bei
Mathe hinten an.
Bereits vor drei Jahren überbrachte Ralph Wagner
vom Cornelsen-Verlag den ersten Preis an
die Hermann-Hesse-Schule im
Hasenwinkel.
Die Formation „Pisa, wir kommen“ berechnete
seinerzeit das „größte Schokoladenei“. An der 5.
Meisterschaft hatten sich bundesweit 1450 Teams mit
rund 41 000 Schülern beteiligt. |