Entspannt und mit vielen Erinnerungen auf einer Hand voll DV-Kassetten kommen Sie aus dem Urlaub zurück. Schnell an den Rechner, um die traumhaften Sonnenuntergänge, die Glasbodenbootsfahrt, das Jetskiing und den Folklore-Abend zu einer spannenden Reisereportage zusammenzuschneiden. Doch die meisten Videoamateure stellen bald fest: Das erste Ergebnis ist so spannend wie die berüchtigten Dia-Abende des Schwiegervaters. Es geht auch anders, wie dieser Beitrag zeigt.
Zur Videonachbearbeitung braucht man heutzutage nicht viel: Eine Kamera, einen Rechner, idealerweise mit FireWire on Board oder auf einer OHCI-kompatiblen PCI-Karte und ein einfaches Schnittprogramm (siehe Testbericht auf Seite 80). Stellvertretend für alle Testkandidaten haben wir Apples kostenloses iMovie und das rund 100 Euro teure Pinnacle Studio 7 für Windows ausgewählt, weil sie beide gleichermaßen gelungen und leicht zu bedienen sind. Die im Artikel verwendeten Funktionen wird man aber auch in jeder anderen Videoschnitt-Software finden. Wenn sie dort anders heißen, sollte die Bedienungsanleitung weiterhelfen.
Man kann aus guten Aufnahmen einen schlechten Film, aus schlechten Aufnahmen jedoch keinen guten Film machen. Daher ist es essenziell, schon während des Urlaubs auf bestimmte Ziele hinzufilmen. Halten Sie Ausschau nach abwechslungsreichen Motiven, Panorama- und Nahaufnahmen, versuchen Sie, die Atmosphäre der Stadt mit der Kamera einzufangen, zum Beispiel durch architektonisch interessante Häuser, Kirchen und andere Gebäude, belebte Straßen, Cafés und Restaurants; Dinge, die typisch sind für das Land wie Speisen, Getränke, Polizeiuniformen und Autos, Busse oder Fahrräder. Auch eine Landesfahne, Ortsschilder oder Autokennzeichen sind immer verwendbar. Filmen Sie so oft wie möglich von einem Stativ aus, und reißen Sie die Kamera bei Panoramaschwenks nicht herum, sondern nehmen Sie langsam und gemächlich auf. Und, ganz wichtig: Zoomen Sie möglichst nicht während der Aufnahme! Ein zu schneller Zoom irritiert den Zuschauer und lenkt ihn von der eigentlichen Handlung ab. Wenn Sie ein Motiv heranholen möchten, betätigen Sie zuerst den Zoom, dann den Aufnahmeknopf. Wertvolle Tipps zur Handhabung der Kamera sowie zu verschiedenen Aufnahmetechniken gabs schon einmal in dem Beitrag `Richtig filmen´ [1], von dem sicher jeder Amateur noch etwas lernen kann.
Im Unterschied zu analogen Geräten erleichtern DV-Camcorder den Videoschnitt übrigens erheblich: Jedes Mal, wenn Sie den Aufnahme- respektive Stopp-Knopf drücken, schreibt das Gerät einen Hinweis aufs Band - je nach Modell einen Index auf den Speicherchip in der Kassette (Sony) oder einen so genannten Timestamp in den Datenpart des Bandes -, den die meisten Videoapplikationen verstehen. iMovie und Pinnacle Studio separieren anhand dieser Informationen einzelne Clips beim Import, sodass man für jede Aufnahme, die man gemacht hat, einen eigenständigen Clip erhält. Man kann also ganze Bänder auf die Festplatte übernehmen, ohne vorher die Kassette sichten und die Clips manuell trennen zu müssen.
Bevor Sie mit dem Schnitt beginnen, sollten Sie im Idealfall ein kleines Drehbuch erstellen, welches den Ablauf der einzelnen Sequenzen dokumentiert und, wenn möglich, einen Spannungsbogen aufbaut. Versuchen Sie, zusammengehörige Clips beieinander zu halten und einen chronologisch sinnvollen Ablauf zu erstellen. Wechseln Sie nicht abrupt zwischen Tageszeiten. Es ist immer hilfreich, den Urlaubsfilm in einzelne Tage zu unterteilen, diese mit dem Sonnenaufgang, dem Frühstück oder der Abfahrt zu einem bestimmten Ziel zu beginnen und mit der Wiederkehr, der Abendveranstaltung oder dem Sonnenuntergang abzuschließen. Auch ein heller Mond mit Sternenhimmel bildet immer ein schönes Schlussbild einer Videosequenz.
Viele Applikationen, darunter auch iMovie, erlauben es, Clips innerhalb des Video-Ordners oder der Medienablage umzusortieren, indem man Ordner anlegt und die einzelnen Clips in diese sortiert oder per Maus an die gewünschte Position in der Medienablage zieht. Da Pinnacle Studio die aufgenommenen Szenen zwar separiert, jedoch nicht in unabhängige Clips unterteilt, kann dort eine Umsortierung innerhalb des Video-Ordners nicht erfolgen.
Die eigentliche Schnittarbeit beginnt mit dem Grobschnitt. Hier wird das Videomaterial qualifiziert, konsolidiert und arrangiert. Zunächst schaut man sich einen Clip per Doppelklick im Ansichtsfenster an und entscheidet, welche Teile davon brauchbar sind, um ihn anschließend mit Schnittpunkten für Beginn und Ende der gewünschten Szene zu versehen. Anhand der so entstandenen `Ins´ und `Outs´ erkennt das Programm, welchen Teil des Clips es wegschneiden soll. Bei iMovie lassen sich diese Schnittmarken unterhalb der blauen Laufleiste mit Hilfe der Dreiecke aufziehen - der ausgewählte Teil wird gelb - und über die Funktion `Schneiden´ (im Bearbeiten-Menü) so extrahieren, dass das Video außerhalb der Schnittmarken in den Papierkorb gelegt wird. Einen so geschnittenen Clip zieht man anschließend in die Timeline und erklärt ihn damit zum Bestandteil des späteren Films. Bei Pinnacle Studio erfolgt der Schnitt nicht über das Setzen von Schnittpunkten, sondern über das Teilen von Szenen. Man lässt einen Clip im Vorschaufenster ablaufen und stoppt ihn an der gewünschten Position, um dann per Kontext-Menü die Funktion `Szene teilen´ aufzurufen. Studio legt daraufhin einen zweiten Clip an, den man wiederum in die Timeline ziehen kann.
Der Grobschnitt dient zwei Zielen: Zum einen dem Zurechtstutzen der Clips auf eine ungefähre, brauchbare Dauer (Konsolidieren), zum anderen dem Arrangieren der Filmabfolge. Da es sich bei der Nachbearbeitung am Computer um den so genannten non-linearen Videoschnitt handelt, sind weder die Dauer noch die Platzierung der Clips in der Timeline endgültig; auch im Nachhinein kann man Clips neu schneiden und arrangieren.
Achten Sie dennoch bereits während des Grobschnitts darauf, sowohl überflüssiges als auch störendes Material zu entfernen und Ihrem Publikum nur das zu zeigen, was wirklich interessant und sehenswert ist. Nicht selten reduziert sich durch den Grobschnitt das brauchbare Videomaterial um die Hälfte, in Extremfällen sogar auf ein Viertel oder weniger. Plötzlich durch das Bild laufende Personen oder vorbeifahrende Autos wirken genauso unpassend wie unvermutetes Schwenken und Zoomen mit der Kamera oder verwackelte Aufnahmen, weil Sie beim Filmen angestoßen wurden. Versuchen Sie aus Ihrem Videomaterial alles herauszuschneiden, was den Zuschauer stören und den Film zu lang machen könnte. Betrachten Sie die Clips immer wieder genau: Wenn Sie das Gefühl haben, Sie müssen sich als Zuschauer plötzlich auf etwas anderes konzentrieren als das eigentliche Motiv, schneiden Sie den störenden Abschnitt heraus. Videoschnitt hat viel mit subjektivem Empfinden zu tun. Achten Sie darauf, dass die Gesamtlänge, auf die Sie ja im Grobschnitt bereits Einfluss nehmen, nicht über 15 Minuten liegt. Es sei denn, Sie haben wirklich mehr zu erzählen.
Ein interessanter Film zeichnet sich durch abwechslungsreiche Bilder und Schnitte aus. Daher bietet es sich an, auch die Distanz zu Motiven zu variieren. Der Totalen einer Straße kann eine einzelne Person oder ein Straßenschild folgen. Einzelne Details verstärken eher den Eindruck der Atmosphäre als viele aufeinander folgende Gesamtaufnahmen. Achten Sie besonders bei Schwenks drauf, die Richtung beizubehalten. Es wirkt für den Zuschauer ungemein irrtierend, wenn ein Linksschwenk einem Rechtsschwenk folgt. Versuchen Sie daher, zwischen Schwenks oder Zoom-Aufnahmen mindestens einen, besser zwei oder drei ruhigere Aufnahmen einzufügen, damit sich das Auge des Zuschauers zwischenzeitlich fokussieren kann. Lassen Sie zum Beispiel einem längeren Panoramaschwenk des Meeres die Großaufnahme eines Bootes, der Brandung und eines Schwimmers folgen, bevor Sie zur Totalen des Strandes übergehen. Zeigen Sie ein Gebäude, etwa eine Kirche, erst als Gesamtaufnahme von Außen, bevor Sie mit den Innenaufnahmen von Altar, Mosaikfenstern und Beichtstuhl beginnen. Die vorangegangene Totale dient als Überleitung und hilft dem Zuschauer, sich auf den nachfolgenden abrupten Wechsel der Lichtverhältnisse einzustellen.
Vernachlässigen Sie den Originalton des Videos nicht. Straßen werden erst dann auch für den Zuschauer belebt, wenn die Geräusche der Menschen und der Autos zu hören sind. Zu einem Meer gehört Brandung, zu einem Restaurant das Klappern von Geschirr und das Murmeln der Gäste, zur Abendstimmung in südlichen Ländern müssen Grillen zu hören sein, und Regen, den man nur sieht, aber nicht plätschern hört, erzeugt keine Stimmung. Ist der Originalton zu leise oder gar weggeschnitten, wirkt der Film statisch und distanziert.
Auch über die Musik beeinflusst der Cutter die Atmosphäre seines Films. Schneller Pop wirkt belebend bis hektisch, klassische Musik variiert von belebend bis entspannend. Achten Sie daher bei der Auswahl der Musik auf die Gesamtaussage des Films oder einer Szene. Panorama-Aufnahmen vom Meer, dem Sonnenuntergang oder abendlicher Atmosphäre lassen sich sehr gut mit leichtem Jazz (George Benson, Dave Koz oder Kirk Whalum) unterlegen, während belebte Straßen mit Cafés und Künstlern eher durch heiteren Soul interessant wirken. Volksmusik aus dem Urlaubsland eignet sich besonders gut, um die Atmosphäre der Aufnahmen zu verstärken und den Zuschauer damit Anteil am Urlaub haben zu lassen.
Die meisten Videoapplikationen erlauben den Import von Musikstücken im AIFF-, WAV- oder MP3-Format. Die Musik sollte nicht zu plötzlich beginnen und auf keinen Fall zu laut sein. Achten Sie darauf, dass Hintergrundmusik wirklich im Hintergrund spielt, und nicht den Originalton des Videos überlagert. Speziell im Fall von Dialogen oder Kommentaren sollten Sie die Musik entweder weit herunterregeln oder ganz ausblenden. Applikationen wie iMovie erlauben es, die Hintergrundmusik an zwei Stellen (vor und hinter einem Dialog) zu teilen, den Mittelteil zu löschen, und die bestehenden Teile langsam aus- und wieder einzublenden. Auch Pinnacle Studio lässt den Anwender die Lautstärke der Hintergrundmusik individuell einstellen. Ruft man an der gegenwärtigen Position des Playheads in der Timeline die Funktion `Lautstärke ändern´ aus der Toolbox auf, so kann man jede der drei Audiospuren leiser und bei Bedarf wieder lauter machen. Zusätzlich kann der Anwender den Ton noch langsam ausblenden, wobei Pinnacle Studio hierbei Keyframes (Ankerpunkte) setzt, die ebenfalls individuell zeitlich und/oder zur Änderung der Lautstärke verschoben werden können.
Auch über so genannte L-Schnitte lassen sich interessante Einblendungen gestalten. Von einem L-Schnitt spricht man, wenn der Originalton eines Clips noch anhält, während die Bilder eines anderen Clips schon eingeblendet werden. Zeigen Sie den Reiseleiter, wie er Ihnen bei einer Besichtigung eine Attraktion erläutert, und blenden Sie die erklärte Sehenswürdigkeit ein, noch während er spricht. Zur Durchführung eines solchen L-Schnitts kopiert man in Pinnacle Studio zunächst den gesamten Clip ohne Schnittpunkte in die Timeline. Nachdem man die Audiospur durch Klicken auf das Lautsprecher-Symbol vor der Spur verschließt und für etwaige Änderungen sperrt, kann man mit dem Klingenwerkzeug das Videomaterial am Beginn des L-Schnittes abschneiden und löschen. Kopiert man nun den nächsten Clip in die Timeline, lässt sich dieser bündig an das Video anschließen und von der Audiospur des vorhergehenden Clips überlagern. In iMovie gehen Sie nach demselben Prinzip vor, indem Sie zunächst die gesamte Aufnahme des Reiseleiters in die Timeline kopieren. Extrahieren Sie dann den Ton vom Videomaterial, verkürzen Sie die Videoaufnahme des Reiseleiters durch zusätzliche Schnittpunkte und fügen Sie die Bilder der besprochenen Sehenswürdigkeit über der Erläuterung ein.
Viele Videoapplikationen bieten die Möglichkeit, Sprache direkt in die Timeline aufzunehmen (Voice Over). Über ein angeschlossenes Mikrofon oder die DV-Kamera kann man so Clips oder Szenen nachkommentieren, während der Film im Vorschaufenster läuft. iMovie und Pinnacle Studio stellen für dieses Voice Over eine eigene Tonspur zur Verfügung, die der Anwender später nach Belieben lauter und leiser stellen oder nachschneiden kann.
Zur Direktaufnahme in Pinnacle Studio wählt man aus der Toolbox die Funktion `Filmkommentare aufnehmen´. Über das Setup-Menü lässt sich die Eingabequelle auswählen (leider kann man bei diesem Programm das Mikrofon der DV-Kamera nicht nutzen). Nach der Platzierung des Playheads am gewünschten Beginn des Voice Over in der Timeline reicht ein Klick auf `Aufnahme´, und schon kann man den Kommentar direkt in die Spur sprechen, während der Film im Vorschaufenster läuft. Nach demselben Schema platzieren Sie in iMovie den Playhead der Timeline, klicken auf die Schaltfläche `Audio´ und dann auf den Knopf `Sprachaufnahmen´. iMovie beginnt sogleich mit der Aufnahme über das Mikrofon oder über die DV-Kamera direkt in die Spur 1 der Audio-Timeline.
Der Feinschnitt dient der Korrektur des Videoschnitts vor dem Einfügen von Effekten und Übergängen. Professionell geschnittene Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit einem Minimum an Übergangseffekten auskommen. In Film und Fernsehen fügen sich die allermeisten Szenen unmittelbar aneinander an - man spricht dann von einem `harten Schnitt´. Profi-Cutter achten darauf, die Schnitte so zu setzen, dass der Zuschauer sie nicht bewusst wahrnimmt. Schauen Sie sich Ihren grob geschnittenen Film aus der Timeline an und versuchen Sie selber zu beurteilen, wann ein Schnitt merklich auffällt und wann nicht. Der Kontext zu den vorher und nachher ablaufenden Clips spielt hierbei die entscheidende Rolle.
Indem Sie die Clips einzeln aus der Timeline heraus öffnen, können Sie Schnittmarken repositionieren, sprich den Clip neu schneiden, um einen möglichst sanften Übergang zwischen den Clips zu gestalten. Störend für einen solchen unmerklichen Schnitt wirken zum Beispiel Personen oder Objekte, die nur halb eingeblendet sind, abrupt beginnende oder endende Bewegungen, auch bei Schwenk- und Zoomaufnahmen. Liegen allzu große Helligkeits- und Farbunterschiede vor, etwa bei unterschiedlichen Tageszeiten oder Innen- und Außenaufnahmen, so lassen sich diese nur sehr schwer zu einem sanften Schnitt vereinen. Versuchen Sie in diesem Fall, die Clips in der Timeline neu anzuordnen, sodass dem Zuschauer bewusst wird, dass es sich um unterschiedliche Orte oder Uhrzeiten handelt. Es gehört freilich viel Übung und ein wenig Fingerspitzengefühl dazu, Schnittmarken so zu setzen, dass sie im Ablauf des Films nicht bewusst oder gar störend wahrgenommen werden.
Während der Feinschnitt in iMovie im selben Fenster mit denselben Werkzeugen stattfindet wie der Grobschnitt, öffnet man in Pinnacle Studio durch Doppelklick auf einen Clip aus der Timeline ein eigenes Trimmen-Fenster, in dem man die Schnittmarken Frame-genau sowohl für den In- als auch für den Out-Punkt nachjustieren kann. Während des Verschiebens der Schnittpunkte aktualisiert sich das Timeline-Fenster kontinuierlich mit der neuen Länge des Videoclips.
Nur ganz selten sind Aufnahmen so perfekt ausgeleuchtet, dass sowohl Farbe als auch Helligkeit optimal dargestellt werden. Für solche Fälle bieten die meisten Videoapplikationen zumindest rudimentäre Farb- und Helligkeitskorrekturfunktionen. Sollten Sie das Gefühl haben, dass die Farben innerhalb eines Clips beispielsweise ob zu greller Sonneneinstrahlung zu blass erscheinen, versuchen Sie, die Farben hervorzuheben, indem Sie die Farbwerte hochsetzen und gleichzeitig die Helligkeit verringern. Je dunkler ein Clip dargestellt wird, umso satter erscheinen dessen Farben. Sie können daher die Farb- und Helligkeitskorrektur auch dazu nutzen, einen unmerklichen Schnitt (siehe oben) zu erreichen, indem Sie einen der Clips so nachbearbeiten, dass er von der Atmosphäre her dem vorangegangenen oder folgenden Clip ähnelt. Die entsprechenden Filter finden Sie in iMovie unter der Schaltfläche `Effekte´; Pinnacle Studio hält eine Toolbox für die Farbkorrektur bereit. Auch hier lassen sich die Clips über die Einstellungen Farbe, Sättigung, Helligkeit und Kontrast individuell korrigieren oder anpassen.
Gelegentlich helfen Effektfilter, einen bestimmten Eindruck zu verstärken. Wer etwa einen alten Film simulieren möchte, findet in iMovie einen Sepia-, in Studio einen Schwarz-Weiß-Filter. Um eine Szene so darzustellen, als sei sie weit entfernt und deshalb unscharf, kann man sie weichzeichnen. Blendet man einen Weichzeichnen-Filter ein und wieder aus, wirkt das später, als hätten Sie das Kameraobjektiv unscharf und dann wieder scharf gestellt. Doch sollten Sie stets vorsichtig mit Effekten hantieren.
Zur Anreicherung eines Videofilms eignen sich auch Digitalfotos, eingescannte Bilder oder Dokumente. Speise- und Ansichtskarten, Flug- und Parktickets oder Landkarten helfen dabei, Szenen oder Situationen anschaulicher zu gestalten, eine Geschichte zu erzählen. Da Grafiken und Bilder im Unterschied zu Video keine festgelegte Dauer haben, kann man solche Elemente nach dem Import beliebig lang oder kurz einblenden.
Nicht immer lassen sich Clips optimal aufeinander abstimmen und per hartem Schnitt aneinander reihen, daher bieten die meisten Videoapplikationen auch eine Vielzahl an Übergängen, von klassisch bis verspielt. Sollten Sie einen Übergang zwischen zwei Clips anwenden wollen, so eignet sich in den meisten Fällen die einfache Überblendung. Hierbei wird über eine frei definierbare Dauer `weich´, also mittels Änderung der Deckkraft, von einem Clip auf den folgenden Clip geblendet. Achten Sie mal darauf: Nach dem harten Schnitt ist die weiche Blende der meist verwendete Übergang, dessen sich Profis bedienen.
Andere Übergänge wie Verschieben oder Verkleinern eignen sich vor allem dazu, gesamte Szenen abzuschließen und/oder neue Szenen einzuleiten. Sowohl für Effektfilter als auch für Videoübergänge gilt, diese möglichst sparsam, mit Bedacht und Geschmack einzusetzen. Auf jeden Fall sollten Sie einen Film aus Schwarz heraus am Beginn ein- und am Ende zu Schwarz wieder ausblenden. Sowohl in iMovie als auch in Pinnacle Studio wählt man dazu im Übergänge-Fenster `Einblenden´, weist diesem eine Dauer, zum Beispiel eine Sekunde, zu und zieht den Effekt an den Anfang der Timeline. Der erste Clip des Films wird daraufhin langsam eingeblendet.
Nicht ganz unwesentlich für einen Film ist natürlich die Gestaltung eines Titels. Beim Erstellen von Filmtiteln sollten Sie darauf achten, dass diese nicht zu klein werden und einen möglichst neutralen Hintergrund aufweisen. Wörter, die man auf dem Computermonitor noch gut lesen kann, verschwimmen auf dem Fernseher häufig ins Unleserliche - erst recht bei wechselnden Hintergrundfarben. Achten Sie also darauf, dass Texte nicht aus filigranen Serif-Schriften und zu kleinen Buchstaben bestehen. Die Farbe sollte nicht zu grell erscheinen, sich aber trotzdem gut vom Hintergrund abheben. Speziell bei Titeln gilt es zu beachten, dass Fernseher weniger Bildfläche darstellen als Computermonitore (nur ca. 80 bis 90 Prozent). Daher vermeidet man es in der Videoproduktion, den Titel ganz bis an die äußeren Ränder des Bildes zu ziehen oder zu vergrößern. Kontrollieren Sie schon während des Schnitts, wenn möglich auf einem am Camcorder angeschlossenen Fernseher, ob alle Buchstaben dargestellt werden.
Wenn Sie Titel einblenden, achten Sie darauf, dass diese lange genug sichtbar sind. Als Faustformel gilt, dass der Zuschauer einen Text oder Titel zweimal laut vorlesen können sollte, bevor dieser wieder ausgeblendet wird. Wenn Sie Untertitel oder Textkommentare einblenden möchten, bietet es sich an, diese mit einfarbigem Hintergrund zu erstellen, da Texte dieser Art häufig länger und dadurch kleiner ausfallen. So bietet iMovie einen eigenen Textfilter `Untertitel mit Balken´ an, welcher den Text vor einem Balken beliebiger Farbe darstellt.
Während der Textgenerator von iMovie außer Größe und Farbe keine individuellen Einstellungen bietet, beinhaltet Pinnacle DV eine eigene Titelspur sowie einen eigenen Titelgenerator namens TitleDeko. Innerhalb dieses Generators lassen sich jedwede Manipulationen wie Größe, Farbe, Kontur, Ausrichtung, Zeichenabstand et cetera verändern und speichern. Auch nach dem Anlegen des Textes kann man diesen noch frei innerhalb der Timeline trimmen und verschieben.
Ist Ihr Videofilm fertig geschnitten, so wollen Sie diesen natürlich auch mit Ihren Freunden und Verwandten teilen. Eine Möglichkeit besteht darin, das Ergebnis zurück auf DV zu spielen. Entsprechend bieten iMovie und Studio DV die Exportmöglichkeit auf Band. Man spielt den Film (in Pinnacle Studio erst nach dem Rendering) aus der Timeline heraus ab, während die Kamera das ausgespielte Material über FireWire aufzeichnet. Bitte beachten, dass diese auf VTR-Modus geschaltet sein und eventuell manuell gestartet werden muss. Das funktioniert freilich nur, wenn Sie über eine freigeschaltete DV-Kamera verfügen, die über FireWire nicht nur aus-, sondern auch einspielen kann.
Sie können über Ihre (freigeschaltete) DV-Kamera auch VHS-Kopien des Films anfertigen, indem Sie den D/A-Wandler der Kamera nutzen. Schließen Sie hierzu den VHS-Recorder an den analogen Ausgang der DV-Kamera an, exportieren Sie den Film und betätigen Sie statt des Aufnahmeknopfes der Kamera den des VHS-Recorders. Der D/A-Wandler der Kamera rechnet das im DV-Format vorliegende Material in analoges VHS-Video um, sodass es auf jedem gängigen VHS-Recorder sowohl aufgezeichnet als auch abgespielt werden kann. Noch schicker ist es freilich, eine DVD zu brennen. Wie das geht, steht in [2]. (se)
[1] Johannes Borm, Hartmut Klauss, Uli Plank, Alexander Stengel: Filme machen, Videos drehen und nachbearbeiten: Tipps für Amateure, c't 5/01, S. 126
[2] Volker Zota: Selbst belegte DVDs, Einstieg ins DVD-Authoring mit beigelegter Software, c't 11/02, S. 102