Fragen
stellen und staunen lernen
Theaterklasse stellte ihr erstes Projekt vor
„Gibt es Aliens?“ , „Warum sterben wir?“, „Wie ist es in einem Grab?“,
„Warum streiten sich Mädchen und Jungen?“ Fragen, die Kinder an die
Welt stellen, sind nicht immer leicht zu beantworten und lassen auch
Erwachsene bisweilen ins Grübeln kommen. Für die Mädchen und Jungen der
Klasse 5f der Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau waren die scheinbar
banalen Rätsel des Alltags Grundlage für ein Theaterstück, das sie
selbst entwickelt haben und nach dreimonatiger Vorbereitungszeit zur
Aufführung brachten. Angeleitet wurden sie dabei nicht nur von ihrer
Klassenlehrerin Viola Kilp, sondern bekamen auch theaterpädagogische
Unterstützung von Nadja Soukup vom Theaterlabor Darmstadt, die an
insgesamt sieben Projekttagen mit den Kindern an ihrem Stück arbeitete.
Mit den anfangs gesammelten Fragen konfrontierten die Kinder
Familienangehörige, Freunde und auch wildfremde Passanten, anschließend
wurden die Ergebnisse dieser Interviews zu Szenen, kleinen Hörfeatures
und Schattenspielen umgesetzt. Heraus gekommen ist eine halbstündige
Revue, bei der die Fünftklässler mit Licht und Schatten, Sprache und
Musik, Maske und Verkleidung, Tanz und Pantomime ein erstaunliches
Repertoire ästhetischer Darstellungsformen präsentierten. Die szenische
Darstellung als Schlüssel, sich die Welt spielerisch anzueignen, ist
ein Unterrichtsschwerpunkt der in diesem Schuljahr im Rahmen des
Kulturschulprogramms erstmals eingerichteten Profilklasse „Theater und
Literatur“ an der Bertha-von-Suttner-Schule. Dabei geht es nicht um das
Auswendiglernen und Nachsprechen vorgegebener Rollen und Einstudieren
fertiger Stücke, sondern um kreative Zugangsweisen, mit denen sich die
Kinder die Welt handelnd erschließen, Auseinandersetzungen erproben und
ihre Persönlichkeiten stärken können. Gefördert wurde die Kooperation
zwischen dem Theaterlabor Darmstadt und der Profilklasse der
Suttner-Schule von „Flux - Theater und Schule in Hessen“, einem vom
Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst auf den Weg
gebrachten Landesprogramm, das eine langfristige und kontinuierliche
Zusammenarbeit von Theatern mit Schulen vor allem in ländlichen
Regionen anbahnt und finanziell fördert. Einen der Grundgedanken des
theaterpädagogischen Ansatzes fasste Ilona Sauer von „Flux“ in der
anschließenden Gesprächsrunde zusammen: „Durch den sinnlicherfahrbaren
Zugang zur Theaterwelt eröffnen sich neue Gestaltungs- und
Ausdrucksmöglichkeiten und bilden durch das unmittelbare Erleben und
Erproben künstlerische, soziale und kognitive Kompetenzen heraus.“
S. Falk, 10. April 2011